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Totilas tanzt wieder: EM-Ticket gelöst

Quelle: getty images
Foto: Robin Utrecht

Am vergangenen Wochenende ging das internationale Reitturnier in Hagen zu Ende. Die besten Nationen der Welt trafen sich zur Austragung des diesjährigen Nationenpreises der Dressurreiter, dem CDIO 2015 in Hagen. Die deutsche Dressur Equipe brillierte und jetzt heißt das nächste Ziel EM-Gold.

Veröffentlicht am 14. Juli 2015 von

(Hannover) Highlight war natürlich der fünf Sterne Wettkampf CDIO 5*, die höchste Prüfung in der Dressur. Ganz zur Freude der Bundestrainerin lagen die deutschen Reiterinnen hierbei mit Abstand vorne – besonders eine. Kristina Bröring-Sprehe (erstmals mit Doppelnamen am Start) präsentierte sich wie gewohnt mit ihrem Desperados elegant und geschmeidig. Sie legte den perfekten Auftritt hin. Das Ergebnis: 83,82 Prozentpunkte, Bestleistung und eine deutliche Führung im Grand Prix Spécial.

Platz zwei ging an Teamkollegin Jessica Bredow Werndl. Sie und ihr Rappe Unee BB, einem Halbbruder von Totilas, erzielten 79,49%. Knapp gefolgt von der fünfmaligen Olympiasiegerin Isabell Werth. Für die 45-Jährige und ihr Zweitpferd Don Johnson gab es 78,78%. Alle drei Paare glänzten und erreichten die persönliche Bestleistung. Somit ging Platz eins an Deutschland in der CDIO-Tour im Nationenpreis und ebenfalls Rang Eins bis Drei im Grand Prix Spécial in der Einzelwertung.

Doch der Star war ein ganz anderer

Am 24. Juli 2015 teilte der Veranstalter mit: „Es ist offiziell- Matthias Alexander Rath will mit Totilas in der CDI4* Tour beim Nationenpreisturnier CDI […] 2015 an den Start gehen.“ Totials, das einstige Wunderpferd. Der 10-millionenschwere Hengst. Nach 356 Tagen melden sie sich zurück und wollen eigentlich nur eins: das letzte Ticket für die Europameisterschaft in Aachen. Die letzte Chance: Hagen. Der Druck im Vorfeld: groß. Die Anspannung: spürbar. Ein Erfolg? Ja. Eine Glanzleistung? Nein.

Zwei Wochen zuvor nahmen sie an dem Grand Prix in Hulton (NED) teil, aber nur als „Test-Wettkampfturnier“, also ohne Wertung. Das internationale Dressurturnier geht für das Team Rath und Totilas mit zwei Siegen und dem EM-Ticket zu Ende. Das Paar setze sich bei der entscheidenden Sichtung der CDI-Tour durch. Das bedeutet Platz eins im Grand Prix und im Grand Prix Spécial. Es galt: Wenn die 80 Prozentmarke erreicht ist, so ständen die Chancen der EM-Teilnahme in Aachen gut. Gesagt getan.

„Totillas gibt mehr Gas als andere.“

Elegant und Schwungvoll, beinahe wie man ihn kennt. Aber eben nur beinahe. In der Paradeübung Piaffe und Passage glänzte der hübsche Schwarze. Doch sowohl Freitag, als auch Samstag fehlte die Feineinstellung. Die fliegenden Galoppwechsel saßen noch nicht. Die mangelnde Praxis der vergangenen Monate war nicht zu übersehen. Ganz deutlich zeigte sich dieses am Samstag in der Pirouette, diese war unsauber gesprungen. Rath selbst resümierte: „Ich hatte ein gutes Gefühl, es gab viele gute Sachen, aber auch ein paar teure Fehler.“ Das Fazit nach den zwei Auftritten: Obwohl auch Bundestrainerin Theodorescu zugestehen muss „jeder hat gesehen, dass es Fehler gab“, ist Rath mit seinem Hengst nominiert für die Europameisterschaft in Aachen. Denn, „das sind Abstimmungsprobleme durch die fehlende Prüfungsroutine. Das müssen die beiden eben wieder üben,“ so die Chefin der deutschen Dressurequipe.

Die Hürde der CDIO- Tour in Hagen ist genommen, sie galt als Prüfung für Aachen im einem Monat. Totilas stand unter genauster Beobachtung. „Wir wissen, dass das Pferd oft genug, leider Gottes, verletzt war. Und wir müssen wissen ob er das Niveau nach wie vor halten kann,“ so Monica Theodorescu. Er sei eben ein Topathlet, der mehr gäbe als andere und „Topathleten leben immer an der Grenze, die ganz Guten sind öfter verletzt, weil die mehr Gas geben“, so Sjef Janssen der Trainer.

Ziel: Mannschaftseuropameister

Nominiert für die Europameisterschaft sind drei Ladys und ein Mann mit seinem angeblichen Wunderhengst. Dabei hat sie die Nase vorn: die deutsche Meisterin Kristina Bröring-Sprehe mit dem neuen schwarzen, vielleicht auch besseren Rappen Desperados. Neu dabei ist Jessica von Bredow-Werndl mit  ihrem Pferd Unee BB, ein Totilas-Halbbruder. Ein Paar aus Bayern, das unter Monica Theodorescus Anleitung enorme Fortschritte gemacht hat. Für die 29-Jährige geht ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung, wie sie selbst zugibt: „Ich träumte jahrelang davon, irgendwann einmal dazuzuge­hö­ren. Ich kann es noch gar nicht fassen.“ Aber auch ein Routinier ist dabei: Die fünfmalige Olympiasiegerin Isabel Werth wird mit ihrem Zweitpferd Don Johnson starten. Und ebenfalls dabei: Wunderhengst und Problempferd Totilas. Matthias Alexander Rath und sein Hengst können dann hoffentlich in nun weniger als einem Monat bei den Europameisterschaften an den Start gehen. Für die beiden – endlich die langersehnte Chance auf Gold?

„Für uns ist die Mannschaftswertung das Wichtigste“, sagt Theodorescu. „Die Titelverteidigung steht ganz oben.“ Klaus Roeser, der Vorsitzende des Dressurausschusses, zeigt sich jedoch sehr zuversichtlich: „Unser Team ist eine Bank, wir haben vier starke Reiter und fahren entspannt nach Aachen. Ich bin guten Mutes.“ Wer sich letztendlich in der Einzelwertung durchsetzen kann bleibt offen. Sicher ist: Die Deutschen setzen auf Schwarz – Totilas und Desperados gelten als heiße Titelverteidiger. Doch es gibt mächtig Konkurrenz, unter anderem Rekordhalterin Charlotte Dujardin wird es der deutschen Dressurelite nicht leicht machen.

Die Europameisterschaften finden am 23. bis zum 28. August in Aachen (GER) statt.


Schlagworte: Aachen 2015, CDI-Tour, CDIO Hagen, Desperados, EM-Sichtung, Grand Pix Spécial, Kristina Bröring-Sprehe, Matthias Alexander Rath, Reiten, Totilas

Artikelinformationen


Datum: 14. Juli 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Katharina Freise
Korrektur: Svenja Ebeling


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