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Unsere Athletinnen haben Namen, nennen wir sie dabei!

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Es ist 2016. Man sollte meinen, Sexismus hätte in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr. Und doch malten die Olympischen Spiele ein ganz anderes Bild. Eines, das der Sportjournalismus nicht weiter vertreten darf. Ein Kommentar.

Veröffentlicht am 06. September 2016 von

 

(Hannover) Katinka Hosszú ist eine ungarische Schwimmerin. Als sie in Rio die Ziellinie überquert, schreibt sie Geschichte. Sie gewinnt eine Gold-Medaille und bricht den Weltrekord. Und doch ist nicht sie diejenige, die für ihre Erfolge gefeiert wird. Ein NBC-Kommentator macht ihren Ehemann und Trainer für den Erfolg der ungarischen „Iron Lady“ verantwortlich.

Mehr als eine Ehefrau

Corey Cogdell-Unrein ging in diesem Jahr zum dritten Mal bei den olympischen Spielen an den Start. Sie gewinnt Bronze im Tontaubenschießen der Frauen. Die Schlagzeile, die anschließend um die Welt geht nennt die Athletin nicht einmal beim Namen. Stattdessen heißt es die Frau des Bear’s Lineman habe Bronze gewonnen.

„Ich bin die erste Simone Biles.“

Simone Biles wird mit 19 Jahren bereits als erfolgreichste Turnerin aller Zeiten gehandelt. Bei den diesjährigen olympischen Spielen gewinnt sie fünf Medaillen, davon vier Mal Gold. Und doch ist vor allem eines Thema: Sind Simones Outfits zu sexy? Ihr Make-Up zu stark? Nach ihren Erfolgen betiteln Kommentatoren sie als den nächsten Michael Phelps, einen neuen Usain Bolt. Doch Biles setzt ein klares Statement: „Ich bin nicht der nächste Michael Phelps. Ich bin die erste Simone Biles.“

Das ist kein Sport

Wenn der Erfolg einer Athletin erst dadurch validiert werden kann, dass man sie mit Männern vergleicht, wenn die Medaille einer Frau noch immer als das Werk ihres Mannes dargestellt wird, wenn Athletinnen nicht beim Namen genannt werden, dann ist das kein Sport – sondern gelebter Sexismus.

Mediale Sex-Objekte

Es ist 2016. Frauen dürfen, sollen, müssen auf einer Ebene stehen mit Männern. Doch es scheint, je erfolgreicher die Frauen werden, je mehr sie zeigen, dass sie mehr sind als ihre Weiblichkeit, desto mehr werden sie durch die Medien zu Sex-Objekten gemacht, reduziert auf einen Titel: Frau.

Frauen haben kein ernsthaftes Interesse an Sport?

57% der medialen Beiträge über weibliche Athleten beschäftigen sich nicht mit ihrem sportlichen Erfolg sondern mit ihrem Aussehen. NBC-Chef Marketing Officer John Miller erklärte in einem Presse-Statement anlässlich der verspäteten Ausstrahlung der Eröffnungszeremonie der diesjährigen Spiele, dass diese für Frauen nur einen Reality-TV-Charakter hätten und man den weiblichen Zuschauern kein ernsthaftes sportliches Interesse zuweisen könne.

Kein Platz für Sexismus

Das sportliche Können der Athletinnen ist auch 116 Jahre nach der ersten Teilnahme von Frauen an den olympischen Spielen noch nicht so wichtig wie ihr Aussehen, ihr Auftreten, ihre Kleidung, ihr Körper. Sexismus darf keinen Platz mehr in dieser Gesellschaft haben, auch nicht im Sport. Und es liegt vor allem an den Sportjournalisten, genau das zu zeigen. Unsere Athletinnen haben eigene Namen, eigene Erfolge – nennen wir sie dabei.


Schlagworte: Katinka Hosszú, Olympia, Olympische Spiele 2016, Sexismus, Simone Biles

Artikelinformationen


Datum: 06. September 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Maya de Wall


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