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Fußball

Willkommen im 21. Jahrhundert liebe FIFA

Strittige Szene bei der WM 2014

Die FIFA hat eine zweijährige Testphase für den Videobeweis, und die Minderung der Dreifach-Bestrafung beschlossen, endlich! Damit kommt der Fußball dem aktuellen Standard des Profisports ein Stück näher und zeigt zugleich wie sehr er die technische Entwicklung des neuen Jahrtausends verschlafen hat. Ein Kommentar.

Veröffentlicht am 11. März 2016 von

Die erste Amtshandlung vom neuen FIFA-Chef Gianni Infantino wurde Anfang März beschlossen. Die FIFA erklärt sich bereit, den Videobeweis zwei Jahre lang zu testen, zudem zeigt sie Einsicht bei der seit Jahren stark diskutierten Dreifach-Bestrafung nach einem Foul im Strafraum. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer neuen FIFA und zur dringend benötigten Restaurierung des Profifußballs.

Es wurde Zeit

Die Einführung des Videobeweises ist nur die logische Konsequenz aus der Entwicklung des Profifußballs in den letzten Jahren, wo Geld eine immer wichtigere Rolle spielt. Guckt man sich andere Profisportarten an, so erkennt man, dass technische Hilfsmittel zur Entscheidung kritischer Situationen längst zum Standard gehören. Vorreiter hierbei war der Tennissport mit dem Einsatz des Hawkeyes in den großen Stadien und den wichtigsten Spielen. Eine einfache Feststellung, ob der Ball im Aus war oder nicht, wenn das bloße Auge dies nicht mehr zu erkennen vermark. Dazu ist es ein zusätzlicher Entertainment-Faktor, nicht unwichtig im heutigen Unterhaltungsmedium Profisport. Eishockey, American Football und andere Sportarten zogen nach und begutachten TV-Bilder wenn es schwierig für den Schiedsrichter wird, richtig zu entscheiden. Überall, wo eine einzige Situation spielentscheidend sein kann, macht es nur Sinn, sich durch technische Hilfsmittel Klarheit zu schaffen.

Sport wird wieder fairer

Der Fußball steigt auf diese Schiene viel zu spät auf und hat sich dadurch auf der größtmöglichen Bühne der Lächerlichkeit preisgegeben. Denkt man zurück an das Gruppenspiel der WM 2014 zwischen Uruguay und Italien, so erinnert sich jeder an den Biss von Luis Suarez gegen Gorgio Chiellini. Eine klare rote Karte, das wusste nach der ersten Wiederholung jeder Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen zu Hause. Wahrscheinlich wusste es auch der Schiedsrichter, nur der durfte zu diesem Zeitpunkt eben nicht auf den Bildschirm gucken, seine Tatsachenentscheidung gilt und die war die gelbe Karte für beide Spieler. Eine Fehlentscheidung mit Folgen, Uruguay wäre ohne Luis Suarez arg geschwächt gewesen, hätte das Spiel vielleicht verloren und Italien wäre eine Runde weitergekommen. Doch „hätte, wenn und aber“ haben natürlich auch hier nicht geholfen. Durch den Videobeweis kann so etwas nicht noch einmal passieren. Man könnte noch dutzende weitere Beispiele nennen, am Ende ist aber klar, dass der Sport dadurch nur fairer werden kann.

Angst um Spielfluss und Stammtische

Die große Angst der Videobeweis-Gegner ist dabei die fehlende Diskussion nach dem Spiel an den Fußball-Stammtischen der Welt. Doch das ist Irrsinn, auch mit dem Videobeweis wird es noch weiterhin viele strittige Szenen geben, in denen man verschiedene Ansichten haben kann. Szenen, welche auch durch mehrmaliges Begutachten nicht eindeutig zu entscheiden sind und so der Beurteilung des Schiedsrichters unterliegen. Es sollte also noch genug Gesprächsbedarf für die Diskussionsrunden übrigbleiben. Ein weiterer Streitpunkt ist der befürchtete unterbrochene Spielfluss, auch hier ist das Argument haltlos. Das Spiel ist andauernd unterbrochen, nach jedem gröberen Foul gibt es mindestens eine Minute Diskussion, bis ein Elfmeter nach dem Foul im Strafraum ausgeführt wird, vergehen gefühlte Ewigkeiten, Zeitspiel, Verletzungen und noch vieles mehr sind ständige Unterbrechungen, da wird ein kurzer Blick auf den Bildschirm nicht sonderlich stören. Zudem ist die Regel nicht etwa so wie beim Eishockey oder American Football ausgelegt, wo der Hauptschiedsrichter das Spiel pausiert und sich die strittige Situation noch einmal anguckt, sondern es wird einen Videoschiedsrichter geben, der sich die Wiederholungen genauestens anguckt und dann dem Hauptschiedsrichter Bescheid gibt, eine Sache von Sekunden. Die äußert unnötigen Torrichter könnten damit auch endlich abgeschafft werden.

Entlastung für die Schiedsrichter

Im heutigen Millionenspiel Fußball verwundert es umso mehr, dass nicht schon viel Früher die Sponsoren und Investoren so eine Regel gefordert haben, die das Spiel wieder fairer und fehlerfreier machen. Die Wirtschaft schreitet ständig voran, erfindet sich immer wieder neu und entwickelt sich weiter, nur der größte Sport, den sie unterstützen, ist in seinem Regelwerk nicht mehr zeitgemäß. Darunter haben auch die Schiedsrichter zu leiden, für sie ist der Videobeweis die größte Hilfe. Sie stehen bei jedem Spiel unter enormen Druck. Machen sie nur einen Fehler, sind sie der Buhmann für tausende Menschen und sind im Stadion dem direkten Hass ausgesetzt. So können sich die Schiedsrichter im Notfall auf TV-Bilder verlassen und etwas befreiter in jede Partie gehen. Die Minderung der Dreifach-Bestrafung, wo bisher nach einem Foul im Strafraum oft auf ein Elfmeter plus rote Karte mit anschließender Sperre für mindestens ein Spiel entschieden wurde, ist eine Entlastung für die Schiedsrichter. Sie mussten in manchen Situationen so entscheiden, obwohl sie selber der Meinung waren, dass die Strafe zu hart sei, doch so schrieb es bisher das Regelwerk vor. Der Videobeweis mindert dazu ebenfalls ein Thema welches in letzter Zeit nicht mehr oft diskutiert wurde: Die Manipulation von Spielen wird so viel schwieriger umzusetzen sein und schützt auch hier die Schiedsrichter vor falschen Vorwürfen.

FIFA setzt Zeichen

Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Umsetzung der neuen Regeln entwickelt. Man erkennt aber, dass die FIFA gewillt ist zumindest schon mal den Fußball zu reformieren und offener für Vorschläge von Außen ist. Ob die FIFA auch sich selbst reformiert, ist damit aber noch nicht gesagt, ein Zeichen hat sie trotzdem gesetzt. Es wirkt wie ein Licht am Ende des Tunnels des schwerst angeschlagenen Weltverbands und gibt Hoffnung für eine bessere Zukunft. Der Profifußball könnte endlich aus seinen alten Strukturen befreit werden und, nicht mehr nur in wirtschaftlicher Hinsicht, wieder neue Maßstäbe setzten.


Schlagworte: Fifa, Fußball, Regelwerk, Schiedsrichter, Videobeweis

Artikelinformationen


Datum: 11. März 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Mats-Ole Jensen


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