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Fußball

WM-Frauen: Der perfekte Start mit Schönheitsfehlern

Celia Sasic trifft gegen Dominique Thiamale.

Bereits am zweiten Spieltag der Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada griffen die deutschen Damen ins Geschehen ein. Erster Gegner: Elfenbeinküste. Sagt Ihnen das nichts als laienhafter Verfolger des Frauenfußballs? Nicht verwunderlich. Die Elfenbeinküste belegt in der Weltrangliste gerade einmal Platz 67 und soll nur durch einen umstrittenen Dopingvorfall als dritte afrikanische Mannschaft zum Turnier zugeassen worden sein.

Veröffentlicht am 13. Juni 2015 von

Dass dieses Spiel der deutschen Frauen eher einem Trainingsspiel als einer ernst zu nehmenden Begegnung auf Augenhöhe glich, war bereits bei der Auslosung klar. Doch, wie schlimm es dann wirklich wurde sah man erst am Sonntagabend deutscher Zeit: Für die fußballerischen Nobodies vom afrikanischen Kontinent gab es eine 10:0 (5:0)-Klatsche.

Kein Risiko

In allen Belangen waren die DFB-Frauen den Ivorerinnen überlegen. Technisch, taktisch und läuferisch. Klar, im Fußball geht es darum, zu gewinnen und so viele Tore wie möglich zu schießen. Doch nicht in diesem Spiel. Vorrangig für die Mannschaft um Trainerin Silvia Neid war es, unverletzt vom Platz in Ottawa zu gehen. Bereits nach 30 Minuten bei einem Stand von 4:0 war der Sieg schon in trockenen Tüchern. Lediglich stellte sich noch die Frage, wie hoch und welche Opfer er fordern würde.

Taktische Fouls oder Fouls, bei denen man sicher weiß, man kommt nicht mehr an den Ball, aber stoppt wenigstens den Gegner, sind nicht annährend so gefährlich wie Fouls aus purem Unvermögen. Die sind viel schlimmer und gefährlicher für die Gesundheit der Spielerinnen. Beispielhaft war die Szene zwischen Torfrau Dominique Thiamale und Sasic.

Wenn nichts mehr geht, hilft foulen?!

In der ersten Hälfte rutschte die Torhüterin der Ivorerinnen mit beiden Beinen voraus in die vor ihr auftauchende Sasic. Eigentlich eine klare Sache: Rote Karte. Doch die kanadische Schiedsrichterin Carol Ann Chenard hatte anscheinend falsches Mitleid mit den Afrikanerinnen. Das fand auch Trainerin Silvia Neid: „Das war eine klare rote Karte. Meine Spielerinnen wurden von den Unparteiischen nicht ausreichend geschützt.“ Glücklicherweise ging Sasic verletzungsfrei aus der gefährlichen Situation heraus. Es sollte nicht das einzige gefährliche Foul bleiben, es folgten noch viele weitere, bei denen der Zuschauer lediglich den Kopf schütteln konnte und sich zwangsläufig fragen musste, wie eine so unfähige und spielerisch unausgereifte Mannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnehmen kann? Immer wieder wird im Männerfußball von Wettbewerbsverzerrung geredet, doch was ist das dann? Das Eliminieren von Titelfavoriten? Ein Gegner, der nicht gefährlich im Kampf um den Pokal auftritt, sondern nur die Gesundheit der Gegner gefährdet, sollte nicht an einem so wichtigen Turnier teilnehmen.

Die deutschen Frauen und die Kunst des Schießens

Vergessen wir mal die Tore nicht, denn so viel Raum auf dem Spielfeld und so viele Tore werden wir vielleicht in keinem weiteren Spiel der deutschen Nationalmannschaft der Frauen in diesem Turnier sehen. Chancen über Chance, wie am Fließband. Bereits nach 30 Minuten hätte es acht zu null stehen können! Die Anzahl der Tormöglichkeiten des heutigen Spiels würden auch für die gesamte Weltmeisterschaft reichen.Aber mal ehrlich: die Tore waren schon schön rausgespielt. Mittag, Sasic und Popp trafen nach Belieben. Ein Kunstschuss folgt dem Nächsten. Ein Spiel für das Selbstbewusstsein und für das Torverhältnis.

Talentfrei

Aber nicht nur die Afrikanerinnen zeigten ihr Unvermögen, auch die Kommentatorin Claudia Neumann war bei Weitem nicht der hellste Stern am Firmament. Ihre Emotionalität bei den Toren hätte selbst einem Patienten mit Schlafstörungen in die lang ersehnte Tiefschlafphase befördert und viele Kosten für Medikamente erspart. Auf diesem Niveau bewegte sich auch ihre Fachkenntnis. Der Fan des Frauenfußballs oder auch die, die es bis dato noch werden wollten wurden mit falschen Einschätzungen der Spielsituationen sowie einer mangelhaften Anwendung von Fachbegriffen geradezu überhäuft. Lust auf mehr Frauenfußball und besonders auf die WM machte solch eine Spielberichterstattung nicht gerade. Hoffen wir mal, dass die Kommentatorenleistungen sich noch steigern, ebenso wie die Gegner der DFB-Elf. Sonst wird es eine WM, die nicht gerade als Werbung für den Frauenfußball steht.

Alles in allem ein erfolgreiches Spiel zum Anschwitzen, bei dem sich bisher nur Melanie Leupolz eine Verletzung zu zog. Hoffentlich bleibt dass so und die Neid-Elf nimmt das Selbstbewusstsein aus dem Spiel mit in das wichtige Spiel gegen Norwegen am Donnerstagabend um 22 Uhr.

Autor: Teresa Kröger

Korrektur: Louis Lambert

 


Schlagworte: WM-Frauen

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Datum: 13. Juni 2015
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