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Das „Melsungen Phänomen“ packt für den Norden

Das MT Melsungen-Phänomen hat Lust auf einen Umzug. Schön die frische Luft an der Flensburger-Förde genießen. Rechts ein Fischbrötchen und links ein Flens. So kann am besten Schaden angerrichtet und gleichzeitig entspannt werden.

Veröffentlicht am 20. August 2022 von

(Flensburg.) Beim Recherchieren, oder eher beim Googlen der SG Flensburg-Handewitt, stehen neben dem eigenen Wikipedia-Artikel, mit den Worten Handball-Bundesligist und unzählige Male Vize-Meister, natürlich auch die Ergebnisse der letzten Spieltage. Dazu gehören die heimische Bundesliga, die Champions League und der DHB-Pokal der Saison 2021/2022. Ach. Vielleicht sollte ich den letzten Wettbewerb aus der Wertung nehmen und kurz herausstreichen. Sowie bereits der HC Erlangen den Erzrivalen des THW Kiel aus dem diesjährigen Pokalwettbewerb ausradiert hat. Also nochmal: Die Ergebnisse der letzten Wochen findet der Handball-Fan, oder der zufällig Interessierte, auf der ersten Seite der Google-Suche.

Die Anhänger des „ständigen Zweiten“ reiben sich mit ihren farbenfrohen Trikots die weit aufgerissenen Augen. Und was sehen sie? Den schwarz-weißen Rückblick der Spiele. Der Kontrast schwarz-weiß trifft nur gering zu, wohl eher grau. Zum Glück, denn sonst sähe man die Farben der Zebras aus Kiel. Nur leicht unterschiedliche Grautöne, wenig Unterschied. Passend zu dem Unentschieden gegen die Handballer aus Porto, dem Team aus Wetzlar und den grün-weißen Jungs. Ich meine in dem Fall die Grün-Weißen Sprotten aus Minden, einer der drei ostwestfälischen Handballhochburgen. Grün ist normalerweise die Farbe der Hoffnung, bei Flensburg löst sie eher Verzweiflung, wohl auch Frust, aus. Bei den Worten direkter Freiwurf, abgelaufene Spielzeit und Sime Ivic brauchen sie das Trikot nicht mehr für den Schweiß, sondern für die Tränen, um es vor die Augen zuhalten oder um sich darunter zu verstecken. Eine Allzweckwaffe eben. So ähnlich, wie es Sime Ivic vom SC DHfK Leipzig war, der nach der abgelaufenen Spielzeit den Ball über den Block ins Tor hämmerte. Ein schwerer Blick von dem dänischen Torhüter der Flensburger, Kevin Möller, der bitter hinter sich greifen musste. Ein Rückblick auf die letzten Wochen.

Nach der knappen Vize-Meisterschaft in der letzten Saison und dem Herzschlagfinale zwischen dem verbotenen THW Kiel in Mannheim und der SG gegen Balingen, müssen die Fans jetzt schlotternd gegen vermeintlich schwächere Gegner in der heimischen Halle sitzen. Nur im Trikot, ganz ohne Wärmekissen oder Decke. Dabei kommt der Frühling mit einer Geschwindigkeit eines Wurfes von Jim Gottfriedson. Der Frühling, oder im Handballer-Jargon, die Zeit der Entscheidungen. Die Aufschreie nach Mentalität und Leidenschaft werden immer lauter, sodass sie die Fanfare beim Einlaufen ihrer Helden in die Flens-Arena übertönen. Vielleicht auch schon das PLOPP des Flens-Biers, auf welches die Fans inzwischen stärker zurückgreifen müssen. An freien Wochenenden, wie Ende April, wenn das FinaL4 im DHB-Pokal ansteht, fragen sie sich: Was ist das und wie soll ich damit umgehen? Denn Alkohol kann einfach nicht die Lösung sein.

Die Heimat des Phänomens

Dabei besteht die Möglichkeit sich Hilfe zu suchen. Im knapp 400 Kilometer entfernten Kassel. Einfach mal auf einen Schnack in der Rothenbach-Halle vorbeikommen. Denn der dort beheimatete Verein, die MT Melsungen, kennt die Situation nur zu gut. Also nicht ein Unentschieden gegen Flensburg zu holen, wie deren Erzrivale die HSG Wetzlar, sondern das Problem ständig Punkte liegen zu lassen. Komisch, denn es gibt Überschneidungen bei den Gegnern, gegen die man Federn lassen hat, wie GWD Minden und Leipzig. Vielleicht können Vereine, die in ihrem Wappen die Farbe Rot haben, sich einfach nicht mit den Grünen arrangieren. Auf die Verschwörung möchte ich jedoch gar nicht hinaus. Heute auf jeden Fall nicht. Dafür ist das eigentliche Phänomen viel naheliegender.

Die Lupe für die Detektivarbeit kann grade noch zur Seite gelegt werden. Vielmehr liegt der Fokus auf den beliebten Trikots der Lieblingsspieler und Helden in den jeweiligen Vereinen. Stars über Stars, Silvio Heinevetter über Julius Kühn, Kai Häfner über Timo Kastening, Finn Lemke über Tobias Reichmann. Handballer der deutschen Nationalmannschaft, wo man hinschaut. Da muss man schon aufpassen, dass man bei dem Projekt der MT Deutschland nicht aus Versehen einen der beiden Isländer auf seinem Trikot unterschreiben lässt. Am besten noch auf einem DHB Trikot von Johannes Golla, der dem Phänomen vor einigen Jahren von Kassel aus nach Flensburg geflüchtet ist. Mit all seinen sieben Sachen. Ball, Ballpumpe, Harz, Trikot, Trainingshose und beiden Schuhen.

Das Problem der vielen Stars, die jedoch noch lange kein Team bilden, kennt die MT inzwischen. Für die SG ist das noch komplett neu. Liegt es an dem MVP der Europameisterschaft Jim Gottfridsson, dem schwedischen Starspieler Hampus Wanne und dem Kapitän des DHB Johannes Golla, dass man inzwischen schon hinter die Füchse aus Berlin gefallen ist und der Sprungwurf in die Champions League in Gefahr ist? Geht Flensburg in die Spiele zu locker rein? Liegt es an dem Meistertrainer Maik Machulla, der jetzt die Rolle seines Vorgängers des Vize-Vranjes einnimmt? Wer all diese Fragen beantworten kann, der bekommt in Flensburg einen Vertrag für die nächsten Jahre. Am besten noch als Ersatz für die Spieler, die das sinkende Fördeschiff in den nächsten Jahren verlassen. Goran Johannessen, Hampus Wanne, Lasse Svan, Magnus Rod.  Alles große Namen, bei Magnus Rod passt das auch zur Köpergröße. Das MT-Phänomen sollte im Auge behalten werden, auch wenn das Trikot mit dem SG-Emblem diese gerade zuhält.

Wichtig ist jetzt der Kampfgeist, die Leidenschaft, den Willen wieder zu entfachen. Immerhin konnte Flensburg eine grüne Mannschaft besiegen. Den SC Magdeburg. An der Farbe sollte es dementsprechend nicht liegen. Das macht Hoffnung für das große Saisonfinale gegen die Füchse, mit denen die Möwen und die Zebras aus Kiel auf die begehrten Königsklassen Plätze kämpfen werden. Tierisch mit viel Biss. Möglicherweise muss das MT-Phänomen noch nicht seine sieben Sachen packen und sich in die Flens-Arena kuschelig einnisten. Da bräuchte es sonst auf jeden Fall auch eine Decke. Im Norden ist es wesentlich kälter als bei der MT in Kassel.

Eine Glosse von Mia-Sophie Reckendorf

(BA-SJ-18-H-VZ). Modul: Journalistische Darstellungsformen


Schlagworte: Handball, Handballbundesliga, Julius Kühn, Kai Häfner, Lasse Svan, Maik Machulla, MT Melsungen, SG Flensburg-Handewitt, Timo Kastening, Tobias Reichmann

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Datum: 20. August 2022
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