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„Du nimmst 3-Darts in die Hand und schon bist du infiziert“

Präzision, bunte Kostüme, Preisgelder im 5 bis 6-stelligen Bereich und eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest. Das ist Darts. Vom einstigen Kneipenimage ist nichts mehr zu sehen. Darts ist Sport, eine professionelle Unterhaltungskunst, die vor allem in Deutschland tausende von Menschen Jahr für Jahr begeistert und in die Hallen lockt. Tendenz steigend.

Veröffentlicht am 07. August 2018 von

In diesem Jahr feierte das World Matchplay sein 25-jähriges Jubiläum. Aufgrund vieler Faktoren war es ein ganz spezielles Turnier. Das erste Matchplay in der Geschichte ohne den 16-maligen Sieger Phil „The Power“ Taylor. Die überraschende Niederlage der Nummer eins der Welt, Michael van Gerwen, in Runde eins. Sowie der Neun Darter von Gary Anderson und sein anschließender Turniersieg im Finale gegen Mensur Suljovic mit 21:19.

Auch aus deutscher Sicht war das World Matchplay ein ganz historisches Turnier. Zum ersten Mal in der Geschichte war mit Max Hopp ein deutscher Spieler im Empress Ballroom des Winter Gardens von Blackpool mit dabei. Der 21-Jährige verlor allerdings sein Auftaktmatch gegen den Engländer Ian White. Doch trotz Hopps Niederlage dokumentiert diese Teilnahme den nächsten Schritt für Darts in Deutschland, der bislang mehr neben als auf der Bühne stattfand.

Ein Start in goldene Zeiten

Seit 2004 gibt es Darts im deutschen TV zu sehen. Damals sicherte sich der Sender Sport1 die Rechte für die Darts-WM. Was damals als Testlauf begann (bei schwachen Quoten hätte es keine weiteren Übertragungen gegeben) entwickelte sich zur absoluten Erfolgsgeschichte. Seitdem hat sich viel geändert.

Die Qualität der Spieler, Zuschauerzahlen, Preisgelder und Einschaltquoten sind enorm gestiegen, was auch ein Blick auf die Zahlen zeigt. Stichwort World Matchplay. 1994 war das gesamte Turnier noch mit knapp 43.000 Pfund dotiert. In diesem Jahr waren es satte 500.000 Pfund. Alleine Gary Anderson kassierte für seinen Titelgewinn 115.000 Pfund. Eine Entwicklung die vor allem durch Deutschland in den letzten Jahren mitgeprägt wurde.

„Das ist der am schnellsten wachsende Sport Europas.“

Darts boomt in Deutschland wie keine andere Sportart. Seit Jahren stellt die Darts-WM Rekorde über Rekorde im deutschen TV auf. Alleine in diesem Jahr verfolgten insgesamt 2,15 Millionen Menschen auf Sport1 das WM-Finale zwischen Darts Legende Phil Taylor und Rob Cross. In der Spitze waren es sogar über 2,7 Millionen. Anfang März fand in Berlin zum allerersten Mal ein Premier League Spieltag in Deutschland statt, 12.000 Darts-Fans sorgten dabei für einen neuen Zuschauerrekord in der Premier League.

„Das Darts-Interesse in Deutschland explodiert. Wir wären verrückt, wenn wir dort nicht auch einen Spieltag austragen würden“, erklärte PDC Chef Barry Hearn gegenüber SPOX und DAZN. Im Mai wurde dann endgültig Geschichte geschrieben, als beim World Series Event auf Schalke 200.000 Fans live vor Ort in der Veltins Arena mit dabei waren. Eine unglaubliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass bei der ersten Darts TV Übertragung aus Deutschland, 2008 in Frankfurt, gerade einmal 20 Zuschauer in der Halle waren.

Normale bodenständige Leute, die gefeiert werden wie Popstars

Doch woher kommt dieser Hype? Schließlich gibt es in Deutschland keinen einzigen Topspieler. Darts ist im Gegensatz zu anderen Sportarten ein ehrlicher Sport mit großer Identifikation. „Darts bietet die Möglichkeit einer sehr hohen Identifikation mit den Stars. Das sind keine Cristiano-Ronaldos, sondern ganz greifbare Typen, die oft aus der Arbeiterklasse kommen. Ich glaube, die Situation, dass einer im Publikum ist, der sich denkt: Mensch, da könnte ich auch stehen, passiert relativ häufig. Im Darts kannst du dich in vier, fünf Jahren in die Weltspitze spielen“, erklärte Elmar Paulke in einem Interview mit „Der Westen“.

Weiterhin sieht der DAZN Kommentator die TV Übertragungen als Auslöser für den Darts Boom in Deutschland. „Die Leute haben Darts im Fernsehen gesehen und einen riesen Spaß daran gefunden. Daher spielt das Fernsehen schon eine wichtigere Rolle, als es in anderen Sportarten der Fall war“, meint Paulke weiter. Wie gut dieser Präzisionssport wirklich ankommt verdeutlichen auch die letzten beiden Jahre. 2017 kamen zu den neun European Tour Events in Deutschland über 400.000 Zuschauer. Auch in diesem Jahr ist Deutschland wieder eine der Darts Hochburgen. Von 13 European Tour Events finden acht davon auf deutschem Boden statt.

Eine Entwicklung, die auch den großen Stars der Szene nicht unbemerkt bleibt. „Deutschland ist großartig. Zu den Events auf der European Tour kommen tausende Zuschauer, die Fans in Deutschland sind wirklich heiß auf Darts. Wo sonst haben wir 3.000 bis 4.000 Zuschauer – und das in jeder Session“, lobt World Grand Prix Champion Daryl Gurney das deutsche Publikum im Interview mit SPOX und DAZN.

Mit seiner Meinung ist der Nordire allerdings nicht allein. „Die Leute lieben Darts, die Begeisterung geht durch die Decke. Das hilft der Popularität des Sports für das Land und bringt die Youngsters an die Boards. Deutschland hat eine goldene Zukunft im Darts“, so die Prophezeiung von Doppelweltmeister Gary Anderson im Interview mit SPOX und DAZN.

Hopp und Schindler sind die Aushängeschilder

Was Deutschland bislang noch fehlt, ist ein absoluter Topstar. Doch PDC Chairman Barry Hearn ist sich sicher „dass dieser Star noch kommen wird“. Mit Max Hopp und Martin Schindler gibt es zwei junge, talentierte und hoffnungsvolle Spieler. Denn ohne Frage, beide haben ein enormes Potenzial. Max Hopp ist mit 21 Jahren bereits fünfmal bei der WM im Alexandria Palace dabei gewesen, ein ehemaliger Jungendweltmeister und gewann in diesem Jahr das European Tour Event von Saarbrücken. Dabei schlug er unter anderem den aktuellen Weltmeister Rob Cross und die Nummer Neun der Welt, Michael Smith.

Auch der drei Tage ältere Martin Schindler konnte bereits auf sich aufmerksam machen. Deutschlands Nummer zwei besiegte in diesem Jahr bei einem Pro Tour Event Weltmeister Rob Cross mit 6:0, stand zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Viertelfinale auf der European Tour und spielte beim World Cup of Darts in Frankfurt vor einigen Monaten den höchsten Average, den jemals ein deutscher Spieler vor TV Kameras erzielt hatte. Und das im Viertelfinale gegen die Nummer eins der Welt, Michael van Gerwen.

Doch trotzdem gibt es immer wieder lautstarke Kritik, vor allem an Max Hopp. Kritik, die Frank Lobenhofer, Sponsor von Martin Schindler, überhaupt nicht nachvollziehen kann. „Das Problem ist, Max wurde von Leuten wie Elmar Paulke hochgejubelt bis zum geht nicht mehr. Es gab keinen deutschen der international mithalten konnte. Dann kam Max, er ist medienwirksam, Junioren-Weltmeister und dann spielt er nur einen 100er Average, schafft es nicht zur WM und die Leute sagen: Oh was ist das für eine Lusche“, meint Lobenhofer. „Wie kann man einen Menschen nur so runter machen?!“, so der Manager weiter. „Solche Leute werfen mal in der Kneipe eine 180, sind endlich nach 8 Runden fertig und kritisieren jemanden der einen schlechten Tag hat und nach 15 Darts fertig ist? Das ist das letzte!“, betont Lobenhofer.

Einen guten Rat hat der Sponsor/Manager von vielen weiteren talentierten deutschen Darts-Spielern ebenfalls. Stichwort Erfolg und Kritik. „Die Leute sollen einfach mal auf die Bühne gehen oder nur mal so einen Walk-On machen den Elmar da immer verlost. Da merkt man erst was die Jungs da überhaupt leisten.“

Viel Talent, wenig professionelle Strukturen

Weshalb andere Nationen Deutschland bislang voraus sind hat laut Lobenhofer auch seine Gründe.„Jeder außer Max (Hopp) und Martin (Schindler) hat noch Arbeit nebenbei. Wenn ein Spieler selbst noch Flüge und Hotels bezahlen muss und noch berufstätig ist dann bleibt das Dart-Training auf der Strecke“, erklärt Lobenhofer.“

Eine berechtigte Aussage. Gerade die Holländer sind ein Parabeispiel für gute Nachwuchsarbeit. Aufgrund der Erfolge von Raymond van Barneveld gibt es in den Niederlanden mittlerweile Nachwuchsleistungszentren. Junge Spieler können professionell trainieren, sich voll und ganz auf Darts konzentrieren und sich regelmäßig mit den besten Spielern (Michael van Gerwen, Raymond van Barneveld) messen.

Der Weltmeister wird kommen

Trotzdem sind Darts-Experten zuversichtlich, dass es irgendwann einen deutschen Weltmeister im Darts geben wird. „Vielleicht haben wir schon in fünf, sechs Jahren einen deutschen Weltmeister. Man merkt, dass immer mehr junge Spieler kommen, die den Sport aus dem Fernsehen kennen. Da spielt auch das Geld eine Rolle“, meint Darts-Papst Elmar Paulke im Interview mit „Der Westen“.

Vielleicht gibt es ja einen Rob Cross 2.0? Vor zwei Jahren ging der Engländer noch seinen Beruf als Elektriker nach und gewann Anfang des Jahres die WM bei seiner allerersten Teilnahme. Seitdem ist er Vollprofi. Ein Aufstieg, der auch in Deutschland passieren kann.

Darts in Deutschland boomt. Was sagt Frank Lobenhofer, Sponsor bzw. Manager u.a. von Martin Schindler, Steffen Siepmann, Rene Berndt oder Michael Hurtz über Darts-Deutschland, seine Spieler und die immer wiederkehrende Kritik an Max Hopp?

Ein Bericht von:
Christian Rüdiger (BA-SJ-08-H-VZ)

Quellen:

https://www.n-tv.de/sport/Darts-Elite-schafft-Weltrekord-auf-Schalke-article20446347.

htmlhttp://www.spox.com/de/sport/mehrsport/darts/1802/Artikel/premier-league-berlin-die-am-schnellsten-wachsende-sportart-europas.htmlhttps:

//www.tagesspiegel.de/sport/darts-am-ostbahnhof-das-ist-alles-etwas-irre/20988696.

htmlhttps://www.derwesten.de/sport/sportmix/darts-experte-elmar-paulke-schalke-id214381493.

htmlhttp://www.sportbuzzer.de/artikel/elmar-paulke-vor-der-darts-wm-darts-passt-in-die-event-zeit/

https://www.pdc-europe.tv/


Schlagworte: Darts, Darts-WM, Deutschland, Premier League, WM

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Datum: 07. August 2018
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