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Isabell Werth – Ein Sieg allein ist ihr nicht genug

Die Weltcup-Saison ist fast vorbei. Insgesamt zehn Qualifikationen müssen sich die Dressurreiter der Westeuropa-Liga stellen. Nach der ersten Station, Herning in Dänemark, folgte nun die Etappe in Lyon, bei der Isabell Werth und ihr zwölfjähriger Wallach Emilio einen glanzvollen Sieg einholen konnten. Zwar ist die 49-Jährige als Titelverteidigerin für das Finale in Göteborg Anfang 2019

Veröffentlicht am 31. Januar 2019 von

Die Weltcup-Saison ist fast vorbei. Insgesamt zehn Qualifikationen müssen sich die Dressurreiter der Westeuropa-Liga stellen. Nach der ersten Station, Herning in Dänemark, folgte nun die Etappe in Lyon, bei der Isabell Werth und ihr zwölfjähriger Wallach Emilio einen glanzvollen Sieg einholen konnten. Zwar ist die 49-Jährige als Titelverteidigerin für das Finale in Göteborg Anfang 2019 ohnehin qualifiziert, doch ihre Ziele gehen darüber hinaus.

Der Glauben, der Berge versetzen kann

Isabell Werth ist sechsfache Olympiasiegerin mit insgesamt zehn Olympischen Medaillen, siebenfache Weltmeisterin, vierzehnfache Europameisterin und vierzehnfache Deutsche Meisterin. Somit ist sie die erfolgreichste Reiterin und Dressurreiterin aller Zeiten. Wieso bringen 84,814 Prozentpunkte die beste Reiterin der Welt dazu, Freudentränen zu vergießen? Das war nämlich bei den Weltreiterspielen in Tyron der Fall. Als das Publikum applaudierte und Isabell Werth den Hals ihrer Stute Bella Rose klopfte, kugelten ihr dicke Tränen die Wangen hinunter. Es warenTränen des Glücks. Dabei sind solch gute oder sogar bessere Wertungen doch Standard für die 49-jährige Rheinbergerin. Die Freudentränen hatten nichts mit den Prozentpunkten an sich zu tun. Hinter dem Ritt mit ihrer Stute Bella Rose verbirgt sich eine Geschichte, die weit darüber hinausgeht – eine Geschichte über Glauben, der Berge versetzen kann und über eine unfassbar starke Verbindung zwischen Pferd und Reiterin. Diese Geschichte hat etwas damit zu tun, dass Isabell Werth und Bella Rose allen Zweiflern und Kritikern bewiesen haben, dass die Teilnahme der beiden am FEI-Weltcup die richtige Entscheidung war. Mehr dazu erfährt der Leser im weiteren Verlauf der Reportage.

Das Event schlechthin für Reitsportbegeisterte – Wie läuft es ab?

Im Oktober 2018 startete die FEI-Weltcup Dressur in Herning. Der Weltcup ist das Event schlechthin für Reitsportbegeisterte. Dieser geht über die Hallensaison in den Wintermonaten und wird mit dem Finale im April in Göteborg enden. Vor dem Finale gibt es zehn Qualifikationsturniere. Es wird auf Grand Prix Niveau geritten. Die Serie setzt sich aus der Westeuropa-, Zentraleuropa-, Nordamerika- und der Pacific League zusammen. Die Nordamerika- sowie die Pacific League müssen jährlich ihre spezifischen Qualifizierungsverfahren und Richtlinien bei der FEI einreichen und genehmigen lassen. Reiter, die zu keiner League gehören, können sich als Einzelstarter für die Westeuropa League qualifizieren und als zusätzliche Reiter am Finale teilnehmen. Die FEI legt jedes Jahr neu fest, wieviele Turniere als Qualifikationsturniere zählen.

Ein Pferd-Reiter-Duo kann in jeder League an sechs Qualifikationsturnieren teilnehmen. Gewertet werden die vier besten Ergebnisse, in der Nordamerika League jedoch nur zwei. Pferd und Reiter können nur am Finale teilnehmen, wenn sie zuvor mindestens zwei mal bei einem Freestyle to Music gestartet sind. Um am Freestyle to Music teilnehmen zu können, muss sich das Dressur-Paar in der vorangegangenen Prüfung des Wochenendes im FEI Grand Prix dafür qualifiziert haben. Nicht mehr als die 15 besten Paare aus dem Grand Prix dürfen in der Prüfung Freestyle to Music antreten.

Um am Finale teilnehmen zu können, muss jedes Paar mindestens bei zwei Weltcup-Turnieren antreten. Eines davon muss im Ausland stattfinden. Zudem muss beim Freestyle to Music ein Ergebnis von wenigstens 68 Prozent erreicht werden.

Bei jedem Turnier müssen fünf Richter richten, von denen nur zwei aus dem Gastgeberland stammen dürfen. Beim Finale müssen sieben Richter zugegen sein.

Jedes Jahr findet das Finale im März oder im April statt. Startberechtigt sind die besten 18 Reiter. Jedoch dürfen pro Land nicht mehr als drei Reiter teilnehmen.

Emilios Debut in Lyon

Es ist bereits das dritte Mal, dass sich Isabell Werth in der FEI-Weltcup-Etappe von Lyon den Sieg holte. Auch dieses Jahr ritt sie mit ihrem Wallach Emilio souverän in den Sieg. Sie erhielten eine Wertung von 84,410 Prozent. Zwar liegt die Wertung deutlich unter dem persönlichen Bestergebnis der beiden von 87,625 Prozent, trotzdem ist das Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Schließlich war es das erste Turnier für den sensiblen Westfalen und zudem eine neue Kür, die ursprünglich für Isabell Werths Liebling, die Fuchsstute Bella Rose, gedacht war. Im letzten Moment traf die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten die Entscheidung, die Choreographien der beiden Pferde miteinander zu tauschen. „Da waren also eine Menge neuer Dinge, mit denen er umgehen musste und ich bin wirklich glücklich, wie das geklappt hat – obwohl es da noch einige Details gibt, an denen wir arbeiten müssten“, so Isabell Werth. Doch die Harmonie zwischen Pferd und Reiterin war spürbar. Generell befand sich Emilio in einer herausragenden Verfassung. Er hatte Fett ab- und Muskeln aufgebaut. Auch war es ihm gelungen, seine Galopparbeit zu verbessern und sein Selbstbewusstsein zu stärken. Der erste Platz bescherte Isabell Werth 20 Punkte auf ihr Weltcup-Konto.

Sie und Emilio lagen in Lyon rund vier Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten Schweden Patrik Kittel mit seinem neuen Hengst Delatio v. De Niro-Rubinstein. Zuvor hatte er den Hannoveraner von Emile Faurie übernommen. In der vergangenen Saison konnten sich der Engländer und sein Rappe für das Weltcup-Finale qualifizieren, doch eine Verletzung des Hengstes machte die Teilnahme letztendlich unmöglich. Die gute Leistung von Patrik Kittel und Delatio ist unter Anderem Isabell Werth zu verdanken, die mit den beiden trainierte. Kurze Zeit vor dem Turnier in Lyon kam Patrik Kittel zu Isabell Werth und äußerte Zweifel, ob er Delatio wirklich mit nach Lyon nehmen solle. Isabell Werth bestärkte ihn darin und machte Mut. Wie das Turnier zeigte, lag sie damit goldrichtig.

Mit Antonia Ramel auf Brother de Jeu wurde eine weitere Schwedin platziert und zwar auf Rang drei mit 80,060 Prozent. Damit verdrängten die beiden Mannschaftsweltmeisterin Dorothee Schneider und Sammy Davis junior auf Rang vier.

Teilnahme mit Herzenspferd Bella Rose

Isabell Werth nimmt zudem noch mit ihrem Herzenspferd Bella Rose am FEI-Weltcup teil. Mit ihr holte sie 84,814 Prozent bei den Weltreiterspielen in Tyron und trug so maßgeblich zur 12. Goldmedaille eines deutschen Dressurteams bei den Weltmeisterschaften bei. Doch hier geht es weder um die gute Wertung noch um die Goldmedaille an sich. Dahinter verbirgt sich weitaus mehr, eine unsäglich starke und besondere Verbindung zwischen Pferd und Reiterin, eine Geschichte über Glauben, der Berge versetzen kann – allen Zweiflern, Skeptikern und Kritikern zum Trotz. Der Auftritt von Isabell Werth und Bella Rose bei den Weltreiterspielen in Tyron hat bewiesen, dass es eine gute Idee ist, mit Bella Rose im FEI-Weltcup anzutreten. Und das, obwohl die Kritik breitgefächert war. Mal ging es um Zweifel an der Gesundheit des Pferdes, dann um die mangelnde Turnierpraxis von Bella Rose, ebenso wie um ihre Probleme beim Einreiten. Tatsächlich ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Bella Rose dabei einen fliegenden Wechsel einbaute oder nicht still stand. In der Kritik standen auch die Serienwechsel der Stute, bei denen ihr häufig die eigene Energie im Weg stand. All diese Zweifel konnten Pferd und Reiterin ausmerzen. Einziges Manko war der starke Trab, der noch nicht gänzlich über den Rücken lief und bei dem Bella Rose teils zu energetisch war. Dafür gelang es Bella Rose sich in anderen Bereichen deutlich von der Konkurrenz abzuheben. Beispielsweise verzauberte sie die Zuschauer mit herausragenden Traversalen, Piaffen und Passagen. Gerade bei Letzterem blieb so manch einem der Mund offen stehen. Es glich wirklichem Tanzen. Häufig wurde die Piaffe am fast durchhängenden Zügel geritten. Ohne, dass eine Hilfe seitens Isabell Werth ersichtlich war, erfolgte das perfekte Hinausgleiten in die Passage. Die Schwingungen der Stute wie auch die buchstäblichen Schwingungen zwischen Reiterin und Pferd waren ein wahrer Augenschmaus. Das mussten selbst die härtesten Kritiker zugeben.

Im Flugzeug auf dem Weg nach Tyron gab es pro Pferd zwei freie Plätze – Für jeweils einen Tierarzt und eine Pflegerin. Doch Isabell Werth flog selbst mit ihrem Herzenspferd mit, um ihr die ganze Zeit über so nahe wie möglich zu sein. Sie kümmerte sich auch um die anderen Pferde. Wenn Isabell Werth von der Verbindung zwischen ihr und Bella Rose erzählt, wird sie oft sehr emotional und ist den Tränen nahe. Dieser Verbindung können Worte kaum gerecht werden.

Ihr Entschluss, mit Bella Rose an den Weltreiterspielen teilzunehmen, wurde oft belächelt und nicht ernst genommen. Kein Wunder also, dass sie ihren Tränen nach dem unglaublichen Ritt in Tyron freien Lauf ließ und sich dieser nicht schämte. Es waren Tränen des Glücks – Denn sie hatten es allen gezeigt. Ihr Glaube an ihr Lieblingspferd hatte Berge versetzt, dass sie mit vollem Herzen dabei war, hatte sich ausgezahlt und die besondere Verbindung der beiden konnte jeder sehen und spüren. Spätestens jetzt sollte jeder wissen: Es ist alles andere als eine schlechte Idee von Isabell Werth, auch noch mit ihrem Herzenspferd Bella Rose am FEI-Weltcup teilzunehmen.

Aller guten Dinge sind drei

Wer denkt, mit Emilios Debut in Lyon und der Teilnahme von Herzenspferd Bella Rose ist schon alles, was Isabell Werth und den FEI-Weltcup betrifft, gesagt, der irrt sich.

Tatsächlich nimmt die erfolgreiche Dressurreiterin mit sage und schreibe drei Pferden an dem Wettkampf teil. Dritte im Bunde ist die außergewöhnliche Stute Weihegold. Ihre Großväter Donnerhall und Sandro Hit, beides Legenden in der Pferdezucht, haben ihr die besten Voraussetzungen in die Wiege gelegt. Weihegold zeigt die besten Leistungen bei Piaffen, Passagen und den Übergängen zwischen diesen Lektionen der höchsten Versammlung, wobei ihre Schwäche der starke Trab ist. Aufgrund dessen sprechen Kritiker häufig von einer zu hohen Bewertung der Rappstute. Dabei vergessen diese, dass es auf die Gewichtung ankommt. Denn schließlich machen Piaffen, Passagen, die Übergänge zwischen diesen beiden Lektionen sowie Pirouetten 39,1 Prozent der Gesamtnote aus, wohingegen es beim starken Trab lediglich 6,5 Prozent sind.

Wenn man über längere Zeit hinweg so erfolgreich wie Isabell Werth ist, ist es schwierig, sich selbst zu übertreffen oder ein Ziel zu finden, was nicht leicht zu erreichen ist. Doch es gelang ihr, eben dieses Ziel zu finden. Nach ihrem Sieg mit Emilio in Lyon lautete ihr Statement: „Ich sehe mich nicht als unschlagbar. Mit diesem Sieg fängt die Saison sicherlich stark an, aber das Ziel ist es, zwei Pferde für das Finale zu qualifizieren. Der Weg ist noch lang.“ Ganz schön bescheiden für eine Dressurreiterin dieses Niveaus, genauer gesagt für die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. Die in Issum geborene Isabell Werth ist sechsfache Olympiasiegerin mit insgesamt zehn Olympischen Medaillen – davon sechs Mal Gold und vier Mal Silber – vierzehnfache Europameisterin und vierzehnfache Deutsche Meisterin. Offiziell macht genau das sie zur erfolgreichsten Reiterin und Dressurreiterin der Welt, inoffiziell steckt noch viel mehr dahinter – Ihr liebevolles Verständnis von der Beziehung zwischen Pferd und Reiter, denn im Gegensatz zu vielen Anderen ist für sie ein Pferd kein Sportgerät, sondern ein Freund, ihre Disziplin und ihr Ehrgeiz, ihre Bescheidenheit und ihr unbesiegbarer Glaube an ihre Herzenspferde, egal welcher öffentliche Gegenwind ihr dabei entgegenschlägt wie das Beispiel ihrer Erfolgsgeschichte mit Bella Rose zeigt.

Die weiteren Stationen

In der Hans-Martin-Schleyer-Halle gewann Isabell Werth zum neunten Mal die Grand Prix Kür – Davon zum dritten Mal in Folge als Qualifikationsprüfung des FEI Dressage World Cups. 7700 Reitsportbegeisterte sahen ihr dabei zu, wie sie mit ihrem 14-jährigen Herzenspferd Bella Rose brillierte. Isabell Werth und Bella Rose sicherten sich 85,660 Prozentpunkte. „Diese Stute war immer fantastisch, sie ist jede Sekunde wert, die man in sie investiert – Sie gibt es doppelt zurück“, strahlte die Dressurkönigin. Isabell Werth gelangte in dieser Station als Einzige über die 80-Punkte-Marke. Platz zwei sicherten sich der Däne Daniel Bachmann Andersen und sein zehnjähriger Hengst Blue Hors Zepter. Sie erhielten eine Wertung von 76,826 Punkten. Auf Platz drei landeten Dorothee Schneider und ihr pechschwarzer Hengst Samy Davis jr. Sie erzielten 76,435 Punkte.

Erstmalig in der Geschichte dieses Sports wurde die westeuropäische Liga des FEI Dressage World Cups bei der IFEMA Madrid Horse Week in Madrid angeboten. Dieses Jahr gab es keine deutsche Beteiligung. Die Etappe in Spanien wurde von Beatriz Ferrer Salat und ihrem Westfalenwallach Delgado von De Niro-Weltmeyer dominiert. Letztendlich entschieden sie die Kür für sich und siegten mit 81 Prozent. Sie waren bereits im Jahr 2017 die Sieger von Madrid.

Bei den meisten nächsten Etappen trat Isabell Werth nicht an, denn als Titelverteidigerin ist sie ohnehin gesetzt, um am Finale teilzunehmen. Nach Madrid folgte die Station Salzburg. Auch ohne die Teilnahme der erfolgreichsten Dressurreiterin der Welt gelang es den Deutschen positiv herauszustechen. Mit 80,79 Prozent gewannen Benjamin Werndl und Daily Mirror die Weltcup-Qualifikation von Salzburg. Die fliegenden Galoppwechsel waren von Sprung zu Sprung weniger gelungen, als man es von dem Paar gewohnt ist. Dafür wurde für Höhepunkte mit beeindruckenden Trabtraversalen, für die es Bewertungen bis zu 9,0 gab, gesorgt. Schlussendlich hätten es aber noch mehr Punkte sein können, wenn US-Richterin Janet Foy nicht deutlich weniger Punkte verteilt hätte als ihre Kollegen. Sie sah das Paar lediglich auf Platz drei, wohingegen der Rest der Juroren Benjamin Werndl und Daily Mirror auf Platz eins sah. Dicht hinter die beiden – mit nur 0,7 Prozentpunkten weniger – hängten sich der Schwede Patrik Kittel und Delatio.

Lediglich ein deutscher Dressurreiter war in London beim Weltcup dabei – der 31-jährige Frederic Wandres mit dem Hannoveraner Duke of Britain. Der elfjährige Wallach glänzte mit einer anspruchsvollen Kür zur passenden Musik. Das bescherte dem Duo eine Bewertung von 80,03 Prozent. Mit exakt den gleichen Prozentzahlen schnitten die Britin Charlotte Dujardin und der Hannoveraner Delicato von Diamond Hit ab. In solchen Fällen bringen die Platzziffern die Entscheidung. Da drei der fünf Richter Frederic Wandres und Duke of Britain auf Platz eins und nur zwei der Richter Charlotte Dujardin und Delicato auf dem ersten Platz sahen, ging der Deutsche als Sieger aus London hervor. Mit 77,99 Prozent landeten der Niederländer Hans-Peter Minderhout und das Niederländische Warmblut Glock’s Dream Boy auf Platz drei.

Dafür verlief die nächste Etappe – das niederländische Mechelen – weitaus erfolgreicher für Hans-Peter Minderhout und Glock’s Dream Boy. Das Nachwuchspferd leistete sich kaum technische Fehler. Gerade in den doppelt bewerteten Lektionen konnte der Hengst viele Punkte erzielen. Um Hans-Peter Minderhout war es still geworden. Da er und Glock’s Dream Boy mit 83,665 Prozent Etappensieger von Mechelen wurden, wird sich das ändern. Für den Niederländer war es der erste Weltcup-Etappensieg seit dem Frühjahr 2017. Die Deutsche Helen Langhanenberg und Damsey lieferten einen Auftritt, der fast auf Augenhöhe mit der Leistung des Niederländers und seinem lackschwarzen Hengst war. Das deutsche Paar erhielt eine Wertung von 82,880 Prozent. Auf Platz drei gelangte überraschenderweise die Portugiesin Maria Caetano mit dem Lusitano Coroado. Das Paar konnte mit einer Bewertung von 80,16 Prozent eine neue persönliche Bestleistung erzielen. Der Schimmel wuchs in Mechelen über sich hinaus und verzauberte das Publikum sowie die Richter mit starken Piaffen.

Nach der Station in Mechelen folgte die nächste Etappe in Amsterdam. Diese wurde von den deutschen Reitern dominiert. Isabell Werth nahm mit der 14-jährigen Oldenburger Stute Weihegold teil. Die beiden entschieden die Station Amsterdam für sich und siegten mit 86,81 Prozent. Es war nach Stockholm Anfang Dezember 2018 die zweite Weltcup-Kür, welche die Don Schufro-Tochter gewann. Das Publikum spendierte standing ovations für die herausragende Leistung des deutschen Duos. Die Vorstellung der beiden begann konzentriert und locker. Weihegold hatte sich im starken Trab verbessern können. Insbesondere das Rückwärtsrichten gelang herausragend gut genau wie die bilderbuchreifen Pirouetten. Bei den fliegenden Galoppwechseln schlich sich aufgrund eines Missverständnisses zwischen Pferd und Reiterin ein kleiner Fehler ein und es gab einen kleinen Haker in der Passage vor dem abschließenden Gruß. Das waren jedoch die einzigen Mankos und die konnten durch eine ansonsten brilliante Leistung des Duos ausgebügelt werden.

Die Deutsche Dorothee Schneider und San Remo-Sohn Samy Davis Junior konnten sich mit 76,217 Prozent 0,6 Prozentpunkte vor das holländische Championatsduo – bestehend aus Hans-Peter Minderhout und Glock’s Dream Boy – setzen – und das, obwohl der bayerische Wallach zu Beginn der Prüfung im starken Trab angaloppierte, was zu einem Punkteverlust führte. Mit dem Wissen, sich aus dem niedrigen 70-Prozent-Bereich herauskämpfen zu müssen, setzte das deutsche Duo volle Konzentration und Routine ein und erlangte mit jeder Lektion neue wichtige Punkte. Insbesondere mit herausragenden fliegenden Galoppwechseln, präzisen Zickzack-Traversalen in vorbildlicher Stellung und Biegung sowie federnden Übergängen aus der Piaffe in die Passage und umgekehrt wurde die Jury überzeugt.

Für den Niederländer Hans-Peter Minderhout und Glock’s Dream Boy lief es nicht gänzlich rund. Dennoch reichte die Leistung des Teams für eine Bewertung von 75,652 Prozentpunkten und somit Platz drei. Beim Ausführen der Piaffen trat der Rappe hinten mehrfach ungleich hoch. Auch fielen der unruhige Schweif sowie ein Anzackeln zum Ende des starken Schritts negativ auf.

Erstmalig in dieser Saison mussten eine Reiterin und ihr Pferd disqualifiziert werden. Die Niederländerin Madeleine Witte-Vrees und ihr Fuchshengst Cennin lieferten in der Prüfung ohnehin schon keine überzeugende Leistung. Cennin fußte in den Passagen hinten kaum ab. Erst nach dem Schlussgruß entdeckte die Chefrichterin Susanne Baarup an der linken Vorderfessel in der Fesselbeuge Blut und machte die Reiterin darauf aufmerksam.

Noch zwei Stationen bis zum großen Finale

Durch acht Etappen kämpften sich die Reiter und Pferde. Jetzt stehen nur noch Neumünster und ’s-Hertogenbosch aus, dann ist es schon an der Zeit für das große Finale in Göteborg. Es sieht gut für Deutschland aus – dank souveräner Leistungen befinden sich auf den ersten drei Qualifikationsplätzen nur Deutsche. Auf Platz drei steht Benjamin Werndl mit 65 Punkten. Drei Punkte mehr hat Helen Langehanenberg, die auf Platz zwei rangiert. An erster Stelle befindet sich Dorothee Schneider mit 70 Punkten. Isabell Werth fällt aus diesen Platzierungen heraus, da sie als Titelverteidigerin ohnehin für die Teilnahme am Finale in Göteborg gesetzt ist. Wieder einmal hat sie bewiesen, wieso sie als beste Reiterin und beste Dressurreiterin aller Zeiten gilt. Auch, wenn man meinen könnte, dass sie in reitsporttechnischer Hinsicht schon alles erreicht hat, so ist es ihr dennoch gelungen, ein sogar für sie ambitioniertes und anspruchsvolles Ziel zu definieren – mit drei Pferden an dem Wettkampf teilzunehmen und mindestens zwei davon für das Finale zu qualifizieren. Sie hätte es sich weitaus einfacher machen können, doch das wäre keine typische Isabell Werth Manier. Denn einfach kann ja jeder. Sie nahm mit ihrem Herzenspferd Bella Rose teil. Isabell Werth schlug bezüglich dieser Stute eine Menge Kritik entgegen – beispielsweise wegen ihrer mangelnden Turniererfahrung oder ihrer Probleme beim Einreiten. Isabell Werth nahm mit Bella Rose bei den Weltreiterspielen in Tyron teil, um allen Kritikern das Gegenteil zu beweisen: Die Teilnahme mit Bella Rose am FEI-Weltcup ist eine gute Idee!

Name: Nina Haberlandt

Studiengang: Sportjournalismus und -marketing

Modul: Sportlehrredaktion I

Quellen:


Schlagworte: Dressur, FEI-Weltcup, Isabell Werth, Reitsport

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Datum: 31. Januar 2019
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