Reitsport
Tradition trifft Triumph – Das Hamburger Derby 2026
Vom 13. bis zum 17. Mai 2026 wurde das in Hamburg gelegene Stadtviertel Klein Flottbek erneut zum Zentrum der Reitsportwelt. Im Rahmen der 106-jährigen Tradition des Hamburger Reitsport-Klassikers verfolgten zehntausende Zuschauer live im Derbypark Klein Flottbek das 95. Deutsche Spring- sowie das 66. Deutsche Dressur-Derby. In diesem Jahr feierten Frederic Tillmann und Isabell Werth herausragende Siege in ihren Disziplinen. Das Turnier gilt aufgrund seiner speziellen Hindernisse und Prüfungsformen als eine der größten Herausforderungen im internationalen Pferdesport.
Emotionale Premiere im Springstadion – Frederic Tillmann siegt
(Klein Flottbeck.) Der Springreiter Frederic Tillmann hat im Mai 2026 das Deutsche Spring-Derby gewonnen. Der 48-Jährige aus Grevenbroich sicherte sich den Sieg auf seinem zwölfjährigen Wallach Comanche. Er blieb sowohl im schweren Normalumlauf, als auch im entscheidenden Stechen ohne Fehler. Tillmann hatte diesen Erfolg bereits seit Jahren angestrebt. In den Jahren 2022 und 2024 belegte er jeweils den zweiten Platz. „Natürlich ist es seit Jahren ein Ziel. Ich war auch schon ein paar Mal knapp dran“, sagte Tillmann sichtlich erleichtert in einem Interview mit dem ZDF. Zudem gibt es eine besondere Familiengeschichte hinter diesem Erfolg. Genau auf den Tag vor 13 Jahren hatte sein Bruder Gilbert Tilmann ebenfalls das Hamburger Derby gewonnen. Dieser historische Bezug unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Turniers in der Reitsporttradition. In diesem Jahr setzte sich Frederic Tillmann im Stechen gegen Simon Heineke durch. Obwohl Heineke den Normalumlauf fehlerfrei absolvierte, belegte er nach elf Strafpunkten im entscheidenden Durchgang schließlich den zweiten Rang. Mit ihren fehlerfreien Runden sorgten Tillmann und Heineke für historische Momente, da es in der über ein Jahrhundert andauernden Geschichte des Turniers zuvor erst 165-mal einen Ritt ohne Strafpunkte gegeben hatte.
Dominanz in der Dressur und im Großen Preis
Parallel zum Springen überzeugte Isabell Werth in der Dressurarena. Sie gewann mit dem jungen Hengst Viva Gold das begehrte „Blaue Band“ und krönte sich somit als Derbysiegerin. Werth erreichte in der abschließenden Kür eine Wertung von 84 Prozent und ließ die Konkurrenz deutlich hinter sich. Für die erfolgreichste Dressurreiterin der Geschichte war dies bereits der sechste Triumph in Hamburg, wobei ihr letzter Sieg auf das Jahr 2008 zurückging. Darüber hinaus dominierte Werth die gesamte Konkurrenz, indem sie bereits am Freitag den Grand Prix und am Samstag den Grand Prix Special mit ihrem Olympiapferd Wendy gewann. Die Prüfungsform des Pferdewechsels stellt eine absolute Besonderheit der Dessurwettbewerbe des Hamburger Derbys dar. Bei diesem traditionellen Format müssen die Finalisten nicht nur auf ihrem eigenen Pferd glänzen, sondern auch auf den Pferden ihrer Konkurrenten antreten. Diese Herausforderung verlangt von den Reitern ein Höchstmaß an Anpassungsfähigkeit und reiterlichem Einfühlungsvermögen, da sie sich innerhalb kürzester Zeit auf die individuellen Eigenheiten der fremden Pferde einstellen müssen.
Abseits der traditionellen Derby-Entscheidungen markierte der Longines Grand Prix den sportlichen Gipfel der Veranstaltung. Bei dieser Prüfung handelt es sich um ein internationales Springen mit Stechen auf 1,60-Meter-Niveau, das mit einem Preisgeld von 250.000 Euro die am höchsten honorierte Prüfung des gesamten Turniers darstellt. In diesem prestigeträchtigen Wettbewerb triumphierte der Ex-Europameister André Thieme auf seiner Ausnahme-Stute Chakaria. Der Sieg bot ihm einen willkommenen Trost für seine Enttäuschung im eigentlichen Spring-Derby, wo er mit seinem Wallach Paule durch einen Flüchtigkeitsfehler am „Großen Wall“ den Einzug ins Stechen knapp verpasst hatte. Seinen dortigen Ritt reflektierte er im ZDF-Interview gewohnt offen und kritisierte seine Leistung mit den Worten: „Ich bin hingeritten wie ein Weihnachtsmann“. Sichtlich beeindruckt von der Hamburger Kulisse zeigte sich auch der Belgier Mike van Olst, der den Vier-Sterne-Grand-Prix für sich entscheiden konnte. Nach seinem Erfolg brachte er seine Begeisterung gegenüber den Medien kurz und knapp auf den Punkt: „Ganz ehrlich: Ich liebe Hamburg!“.
Der Mythos des schwersten Parcours von Klein Flottbek
Das Hamburger Derby ist bekannt für den schwierigsten Parcours der Welt. Die Strecke hat eine Länge von etwa 1.250 Metern und umfasst 17 extreme Naturhindernisse, mit insgesamt 26 Sprüngen. Der Jagdreiter Eduard Pulvermann entwarf diesen Parcours bereits im Jahr 1920. Seit dieser Zeit wurden die Linienführung und die Art der Hindernisse nicht mehr verändert. Lediglich die Höhe der Sprünge wurde an den modernen Sport angepasst. Besonders gefürchtet ist der 3,50 Meter hohe „Große Wall“. Hier reiten die Teilnehmer einen Abhang mit einem Gefälle von 80 Grad hinunter. Die Anforderungen des Turniers verlangen von Pferd und Reiter ein hohes Maß an Vertrauen und Kondition.
Tradition und Blick in die Zukunft
Turnierchef Matthias Alexander Rath zog in Folge des Turniers eine positive Bilanz der aktuellen Zusammenarbeit zwischen Schafhof Connects und dem Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein (NFR). Rath bezeichnete die erste Austragung unter seiner Leitung als ein „ganz besonderes Erlebnis“ mit sportlichen Höhepunkten und einer einmaligen Atmosphäre. Infolgedessen laufen die Planungen für die kommenden Jahre bereits auf Hochtouren, um das Turnier mit Leidenschaft und Professionalität weiterzuentwickeln. Schafhof Connects verfolgt dabei das Ziel, das Derby unter Berücksichtigung seiner langen Geschichte modern zu gestalten. Somit bleibt das Hamburger Derby ein unverzichtbarer Fixpunkt im globalen Reitsportkalender. Das nächste deustche Spring- und Dressur- Derby ist im nächsten Jahr bereits für den 4. bis 9. Mai angesetzt. Eintrittskarten sind über die offizielle Webseite von Schafhof Connects erhältlich.
Ein Bericht von Lilith Fritz im Modul: Journalistische Darstellungsformen, Kurs: BA-SJ-32-H-VZ-KS
Quellen:
- ClipMyHorse.TV (2026): Al Shira’aa Deutsches Spring- & Dressur-Derby 2026 – Livestream und Mediathek. Online verfügbar unter: https://www.clipmyhorse.tv/de_DE/events/17816 (Abgerufen am 22.05.2026).
- hamburg.de (2026): Deutsches Spring- und Dressur-Derby: Kult-Turnier und Spitzentreffen in Klein Flottbek. Online verfügbar unter: https://www.hamburg.de/freizeit/sport/deutsches-spring-und-dressur-derby (Abgerufen am 22.05.2026).
- Longines Timing (2026): Equestrian: Deutsches Spring- und Dressur-Derby Hamburg (Time Schedule & Results). Online verfügbar unter: https://www.longinestiming.com (Abgerufen am 22.05.2026).
- NDR.de (o. D.): Pulvermanns Parcours: Ein Meisterstück. Online verfügbar unter: https://www.ndr.de/sport/mehr_sport/kleinflottbek/Pulvermanns-Parcours-Ein-Meisterstueck,derbyparcours6.html(Abgerufen am 22.05.2026)
- NFR – Norddeutscher und Flottbeker Reiterverein e.V. (2026): Tradition und Reitsport in Hamburg – Offizielle Webseite. Online verfügbar unter: https://www.nfr-hamburg.de (Abgerufen am 22.05.2026).
- Schafhof Connects (2026): Al Shira’aa Deutsches Spring- & Dressur Derby – Die offizielle Seite. Online verfügbar unter: https://hamburg-derby.com (Abgerufen am 22.05.2026).
- ZDFheute (17. Mai 2026): Springreiten in Hamburg: Tillmann endlich Derby-Sieger. Online verfügbar unter: https://www.zdf.de/nachrichten/sport/reiten-springreiten-hamburg-derby-frederic-tillmann-100.html (Abgerufen am 22.05.2026)
Schlagworte: Deutsches Spring- und Dressurderby, Frederic Tillmann, Hamburger Derby, internationaler Reitsport, Isabell Werth, Klein Flottbeck, Matthias Alexander Rath, Parcours, Pferdewechsel, Schafhof Connects, Traditionsturnier





