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Corona-Chaos auf den Schultern der Helden

Es wirkt wie ein Déjà-vu der vergangenen Handball-WM in Ägypten 2021. Die prägenden Themen vor einem Jahr: leere Zuschauerränge, strikte Hygienemaßnahmen, überraschende Spieler, die zu Helden wurden. Jetzt, eine Woche vor Beginn der Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei, gibt es erneut ein Chaos. Ein Chaos, das auf den Schultern unserer Helden liegen wird. Dazu ein Kommentar von Mia-Sophie Reckendorf:

Veröffentlicht am 07. Januar 2022 von

Politisches Chaos in Ungarn, besonders im Bezug auf das LGBTQ-Refferendum, ist vorprogrammiert. Das jetzt aber noch das Corona-Chaos sowohl Ungarn als auch die Slowakei vor der Austragung der Europameisterschaft betrifft, war von den Veranstaltern nicht eingeplant. Und das obwohl die Lage im internationalen Handballgeschäft, besonders in der laufenden Saison, immer wieder Anreize zum Nachdenken gegeben hat. Dazu kommen die Erfahrungswerte der Frauen-EM in Spanien im Dezember, sowie die WM der Männer vor einem Jahr in Ägypten. Doch der Internationale Handballverband, die IHF, hat erneut die Augen voller Harz. Harz, der die Hände der besten Spieler Europas so sehr an den Ball klebt, wie die IHF an ihren Wunschvorstellungen der Austragung festhält.

Täglich steigern sich die Diskussionsthemen und es überschlagen sich die Meldungen von Spielabsagen. Dabei geht es zurzeit nur um Testspiele der jeweiligen Verbände, die ihre Teams möglichst gut auf die Chaos-EM vorbereiten wollen. Denn auch in den Verbänden herrscht  zurzeit nicht die Fragen nach den passenden Spielzügen und den perfekten Abwehrvarianten. Corona ist hier der präsenteste Mit- oder eher Gegenspieler. Kein kroatischer Starspieler wie Welthandballer Duvnjak, kein dänisches Abwehrbollwerk wie Torhüter Jannik Green und kein deutsches Top-Talent wie Juri Knorr. Alle drei sind mehr oder weniger Opfer des 2G-Konzeptes. Duvnjak und Green sind bei den Lehrgängen von Kroatien und Dänemark positiv getestet worden und sind somit in Quarantäne. Knorr hat sich, trotz Corona-Infektion im November 2020, gegen eine Impfung entschieden und darf nicht an der EM teilnehmen.

Ob dieses 2G-Konzept, inklusive der kürzlich veränderten Corona-Quarantäne von nur noch 5 Tagen und 2 negativen PCR Tests, eine qualitativ hochwertige und faire Handball-EM zulässt, wissen wir spätestens am Tag des Finals. Denn jeder Spieler ist für den jeweiligen Verband wichtig und genauso wenig zu ersetzen wie die FFP2-Masken für die Reisen zu den Spielorten, die trotz des Chaos möglicherweise mit Zuschauern gefüllt sein werden. Auch dann, wenn die großen Stars des Handballs das Spiel in Quarantäne verfolgen müssten. Die Sicherheit aller Spieler und Beteiligten steht an erster Stelle, auch wenn sie von der IHF eher hinter der Austragung und der möglichen Zuschauereinnahmen steht.

Bis jetzt ist der DHB, als größter europäischer Handballverband, von positiven Tests verschont geblieben. Das sie dennoch dem Chaos entgegen fahren ist selbstverständlich. Denn eine Absage hätte große Folgen für den Handballsport in Deutschland. Besonders im Hinblick auf die Heim-EM 2024. Eine gewisse Unsicherheit bleibt jedoch bei allen. Dennoch: Die Hygienekonzepte wurden bereits bei der Frauen-WM erfolgreich umgesetzt. Nur wenige Spielerinnen wurden im Verlauf des Turniers positiv getestet und hatten gegebenenfalls nur geringe Symptome.

Die Daumen sind gedrückt. In diesem Fall nicht nur in sportlicher, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht. Ob so eine Europameisterschaft im jetzigen Moment zum jetzigen Zeitraum sinnvoll ist, ist durchaus eine Diskussion wert. Diskussionen, die seit Wochen von Experten und Spielern geführt werden. Mit Sicherheit würden die Aspekte für eine Absage überwiegen. Ähnliche Debatten gab es auch vor der WM im Land der Pyramiden. Aber: Schlussendlich war das dort herrschende Chaos übersichtlich. Zum Erstaunen und zur Überraschung Aller.

Die Relevanz eines großen Turniers zum Jahresbeginn ist groß. Größer als mancher Spieler. Der Januar ist der Monat, in dem der Handball präsent ist. In dem es genug Werbung für den Sport geben kann. Mit spannenden Spielen. Mit Spielern, die über sich hinauswachsen und zu Helden werden. Manchmal muss man als Held dem Risiko entgegen gehen, solange das ganze Team an einem Strang zieht. Hoffen wir, das sich das bisher präsente Chaos beim Anpfiff des Eröffnungsspiels in das Seitenaus zurückzieht. Das mögliche Chaos für die weiteren nationalen und internationalen Wettbewerbe ist hoffentlich gering und die Konsequenzen klein. Wir hoffen auf ein Déjà-vu von Ägypten, jedoch mit einem deutlich besseren Ergebnis aber mit mindestens genauso viel Spannung.

 

Mia-Sophie Reckendorf, BA-Sj-18-H-VZ, Journalistische Darstellungsformen

 


Schlagworte: Corona, EM 2022, Handball, handball Europameisterschaft 2022, Handball Nationalmannschaft

Artikelinformationen


Datum: 07. Januar 2022
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