Fußball
Hannover 96: Alle Jahre wieder
Alles wie immer in Hannover. 96 verspielt last Minute den Relegationsplatz in der 2. Bundesliga. Die eigentlich gute Saison endet durch das eigene Unvermögen und alltägliches Chaos à la 96 mal wieder mit fadem Beigeschmack.
(Hannover.) ‚‚Es tut richtig weh‘‘. So beschreibt Kapitän Enzo Leopold nach dem verpassten Aufstieg in die erste Bundesliga die Gefühlslage. Das muss man den Anhängern von Hannover 96 nicht erklären, sind sie doch seit Jahren nichts anderes gewöhnt. Diese Mannschaft hat den Fans nach Jahren des Daseins als graue Maus des deutschen Fußballs endlich die Hoffnung gegeben, mal wieder stolz auf die eigenen Farben sein zu können – und diese in klassischer Hannover-Manier dann auch selbst zerschlagen.
Das altbekannte Chaos kehrt zurück
Am Ende der Saison steht der unrühmliche vierte Platz und damit der verpasste Aufstieg zu Buche. Und während beim Pharma-Dorfclub aus Elversberg die Korken knallen, bleibt der Hannoveraner nach Abpfiff des letzten Spieltags mal wieder mit leerem Blick ins große Weite des Niedersachsenstadions sitzen. Selbst der leiderprobteste Fan, wovon es bei 96 wirklich viele gibt, muss nach dieser mental folternden Saison den dicken Klos im Hals erst einmal schlucken können. Viel geholfen hat dabei auch nicht die Ansprache von Leopold an die Fans, denn dieser wird vermutlich, so wie viele andere Spieler, nächste Saison seinen Arbeitsplatz bei irgendeinem Egal-Verein in der ersten Liga haben. Wenigstens kann man sich als Hannover-Sympathisant nun wieder an den bekannten, unruhestiftenden Sprüchen des lokalen Hörgeräte-Mäzens aus Isernhagen erfreuen. Seitdem Marcus Mann im Winter nach Österreich zur örtlichen Vertretung der Energydrink-Gruppe von Red Bull wechselte, können sich die deutschen Sportmedien fast gar nicht mehr vor den schleierhaften Aussagen Martin Kinds retten. Dieser zählte geschmacklos unmittelbar nach Saisonabschluss neben der Mannschaft auch Trainer Titz und Sportdirektor Ralf Becker an und stellte sämtliche Personalfragen rund um Hannover 96 auf Eis. Da ist es wieder – das Chaos-96, welches ganz Fußball-Deutschland kennt und liebt.
Adè, Aufstieg – Hallo Zukunft
Die Aufstiegsambitionen kann man in der Landeshauptstadt vermutlich auch für die nächsten Jahre auf Eis legen. Kind und Rossmann drohen, den Etat von knapp über 20 Millionen Euro auf gerade einmal 13 Millionen zu kürzen. Man muss sich also darauf einstellen, sich eher mit Teams wie Kiel und Bochum zu vergleichen, als ganz oben dabei zu sein. Mut macht bei 96 im Moment aber zumindest die starke Jugendarbeit. (Noch-)Trainer Titz legt großen Wert auf die Einbeziehung von Talenten, so schafften in dieser Saison sowohl Kolja Oudenne, als auch Hussein Chakroun den Durchbruch bei den Roten und mit Yunus Ünal hat man bereits das nächste vielversprechende Talent an die Leine gelockt, welches nur auf seine Chance wartet. Es ist also auch nicht alles schlecht bei 96.
Ein neuer Umbruch für das große Ziel?
Jetzt muss man es erstmal schaffen, gute Spieler zu halten und neue Spieler nicht durch das allgegenwärtige Chaos abzuschrecken. Glücklicherweise steht eine Einigung mit Jonas Boldt kurz bevor. Boldt soll bei 96 eine CEO-Rolle übernehmen und so dem Chaos eine Ende bereiten. Beim HSV aus Hamburg hat er schon seine Qualitäten auf dem Transfermarkt unter Beweis gestellt. Nun muss man abwarten und hoffen, dass Boldt eher das Erbe von Marcus Mann, als das vom unrühmlich abgetretenen Schmadtke antritt. Bei 96 regiert gerade die Angst, dass Namen vom Kaliber Besuschkow und Ochs bald wieder an den Maschsee gelotst werden und die alte Leier mit der sportlichen Inkonstanz wieder einmal die Landeshauptstadt heimsucht. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es irgendwann einmal wieder nach Dortmund und München geht und die Fahrten nach Fürth, Karlsruhe und co. Höchstens im DFB-Pokal vorkommen. Und damit herzlich Willkommen bei Hannover 96.
Schlagworte: Christian Titz, H96, Hannover 96, Jonas Boldt, Martin Kind


