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Nagelsmann in der Kritik – ein Appell an die deutschen Fans
Julian Nagelsmann hat seinen finalen Kader für die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada verkündet und nie hat die Floskel: „In Deutschland gibt es 80 Millionen Bundestrainer besser zugetroffen“. Die Kritik gegenüber unserm Nationaltrainer kannte keine Grenzen. Es scheint so, als hätte die deutsche Nationalmannschaft keinen Rückhalt mehr von den Fans.
Das Unheil nahm seinen Lauf als irgendwann im Frühling das erste Mal das Gerücht aufkam, dass Manuel Neuer, der seine Nationalmannschaftskarriere eigentlich schon beendet hatte, wieder für das DFB-Team nominiert werden könnte. Oliver Baumann, bis dahin die Nummer 1 im Tor musste um seinen Startplatz in der WM zittern. Als dieses Gerücht spätestens mit der endgültigen Nominierung von Neuer bestätigt wurde, brachen bei den deutschen Fans alle Dämme. Nagelsmann wurde vor allem schlechte Kommunikation gegenüber Baumann dieser Entscheidung vorgeworfen. Martin Roschitz vom NDR schilderte seine Meinung zu diesem Fall in einem Kommentar wie folgt: „Auch in der Torwartfrage beschädigte sein wochenlanger Eiertanz die eigene Glaubwürdigkeit. Nun bleibt der Eindruck zurück, dass Baumann der nächste ist, bei dem eine öffentliche Entschuldigung angebracht wäre“. Möglich ist sicherlich, dass Nagelsmanns Umgang mit Baumann ausbaufähig war. Aber woher wissen wir, was intern vorgefallen ist und wie diese Entscheidung kommuniziert wurde. Kaum eine andere Fußballnation würde vermutlich die Nominierung eines Spielers, der im eigenen Land solch einen Legendenstatus besitzt, so sehr in Frage stellen, wie wir Deutschen. Nicht wenige behaupten, dass Manuel Neuer der beste Torhüter aller Zeiten sei. Allein wegen seiner Erfahrung und „Aura“, sollte meiner Meinung nach, so lange er Lust hat, kein Weg dran vorbeiführen Manuel Neuer mit zum größten Turnier der Welt zu nehmen. Auch wenn diese Entscheidungen für seinen Konkurrenten wehtut.
Umstrittene Nominierungen
Doch die Torwartposition ist lange nicht die einzige umstrittene Entscheidung, die Julian Nagelsmann getroffen hat. Kritische Stimme gegenüber der Nominierung von Leon Goretzka argumentieren, dass dieser bei Bayern kein Stammspieler sei. Trotzdem kommt er auf viele Minuten in dem Verein, den er im Sommer verlassen wird und wäre sicherlich in jedem anderen Verein in der Bundesliga unangefochtener Stammspieler. Des Weiteren hinterfragen viele die Nominierungen beispielweise von Pascal Groß, Antonio Rüdiger oder Leroy Sané. Es scheint so, als wäre ihr Ansehen in der Nationalmannschaft durch die vielen schlechten Turniere in den letzten Jahren aufgebraucht. Deutsche Fans scheinen mehr Gefallen an jüngeren und unerfahrenen Spielern, wie Tom Bischof oder Said El Mala gefunden zu haben, die stattdessen nicht nominiert wurden. Doch ist es nicht genau diese Erfahrung der genannten Spieler, die es braucht, um eine eingespielte Mannschaft auf den Platz zu stellen? Nagelsmann hat ja auch schon junge Leute, wie Lennart Karl oder Nathaniel Brown nominiert, die noch nicht oft dabei waren. Im Endeffekt ist eben immer noch Julian Nagelsmann Bundestrainer und nicht einer von uns 80 Millionen, weil er die besten Qualifikationen dafür hat und vor allem die Spieler am besten kennt und deren Qualitäten am besten einschätzen kann.
Kritik gegenüber Deniz Undav
Ein weiterer Angriffspunkt des Nationaltrainers ist der Umgang mit Deniz Undav. Diesen sah Nagelsmann in den Länderspielen im März nicht als Kandidat für die Startelf (gegen die Schweiz saß er sogar 90 Minuten auf der Bank). Allein das sorgte für Unverständnis bei den Fans. Doch als Nagelsmann Undav nach seinem späten Ausgleichstreffer gegen Ghana auch noch kritisierte, war der Aufschrei groß. „So darfst du niemals über einen Spieler aus deinem Team sprechen. So etwas macht man nicht. Das macht man vor verschlossener Tür, aber nicht öffentlich“, machte zum Beispiel Ex-Nationalspieler seinen Unmut in der SPORT1-Sendung „Doppelpass“ deutlich. Sicherlich war diese Kritik wirklich ein bisschen überzogen, jedoch räumte er einige Wochen später seinen Fehler gegenüber „MagentaTV“ wieder ein: „Es war in der Schärfe für die Öffentlichkeit viel zu forsch“. Solange ein Trainer nicht über die Stränge schlägt und sich später entschuldigt, wird ein Trainer eben nicht an Worten, sondern an Ergebnissen gemessen – und die hat er bisher meistens verlässlich geliefert.
Appell an die deutschen Fans
Wir erinnern uns alle noch gerne an die Heim-EM 2024 zurück. Nach zwei verkorksten Weltmeisterschaften in Folge und einem Achtelfinalaus bei der EM 2021, war Deutschland wieder eine Einheit. Das hat jeder einzelne in diesem Land gespürt. Julian Nagelsmann hat dafür einen riesigen Teil beigetragen, weil er gute Entscheidungen getroffen hat und gute Ergebnisse erzielt. Das hat ihm einen riesigen Rückhalt und Vertrauen gegenüber allen deutschen Fans eingebracht. Dieser Rückhalt ist jetzt verschwunden. Doch es ist doch gerade das, was die Mannschaft nach so vielen Jahren voller Rückschläge braucht – Vertrauen und Selbstbewusstsein. Wenn schon lange vor der WM von den eigenen Fans gefordert wird, dass der Trainer nach dem Turnier gehen soll, kann das doch kaum zu Erfolg führen. Und am Ende sind es die Fans, die Nagelsmann am härtesten schlechtreden, die verwundert sind, wenn die DFB-Elf nicht über ein 0:0 im ersten Gruppenspiel gegen Curacao hinauskommt. Sicherlich ist bei Julian Nagelsmann, was sein mediales Auftreten betrifft noch Luft nach oben, doch lasst uns doch erstmal dieses große Turnier abwarten. Deshalb der Appell an alle deutschen Fans: Schenkt der Mannschaft, die uns vor zwei Jahren so viel Spaß gemacht hat euer Vertrauen zurück, denn das brauch sie, um die WM erfolgreich zu beenden.
Ein Kommentar von Timon Schoppe im Modul „Journalistische Darstellungsformen“ im Studium BA-SJ-32-H-VZ-KS
Quellen:
https://www.ndr.de/sport/fussball/kommentar-zum-wm-kader-nagelsmanns-kommunikationsproblem,dfb-wm-kader-100.html
https://www.kicker.de/nagelsmann-entschuldigt-sich-bei-undav-war-bloed-von-mir-1210893/artikel
https://www.sport1.de/news/fussball/dfb-team/2026/04/undav-effenberg-aeussert-sich-deutlich-zu-nagelsmann
https://www.dfb.de/maenner/nationalmannschaften/nationalmannschaft/team
Schlagworte: Antonio Rüdiger, Deutschland, DFB-Team, Fußball, Julian Nagelsmann, Kritik, Leon Goretzka, Leroy Sané, Manuel Neuer, Nationalsmannschaft, Oliver Baumann, Pascal groß, Rückhalt, Undav, Vertrauen





