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Auf die nächsten Titel

Es ist der 15. September 2018. Ein ganz besonderer Tag für viele Fans des Frauenfußballs. Denn die Allianz Frauen Bundesliga startet in eine neue Runde. Einen Tag später, 16. September, darf auch der aktuelle Meister aus Wolfsburg gegen den Rekordmeister 1. FFC Frankfurt ran. Mehr als 1.500 Zuschauer schauen sich bei Sonnenstrahlen das Spiel im AOK Stadion an und ich bin eine davon.

Veröffentlicht am 27. September 2018 von

Mehr als drei Monate habe ich gewartet. Um genau zu sein, drei Monate und 18 Tage oder auch 16 Wochen. Es ist endlich wieder soweit. Es ist Sonntag Morgen. Um acht Uhr nehme ich meine weiße Tasse aus der hinteren Ecke unseres Küchenschranks. Auf der Tasse schießt eine grüne Fußballspielerin gegen einen grünen Ball. Auf der anderen Seite: Das Wappen des VfL Wolfsburg. Es ist ein Ritual, das seit Jahren Teil meines Spieltages ist. Ein Kaffee aus dieser Tasse und die nächsten drei Punkte sind so gut wie sicher. Mit dem Erfolg der letzten Jahre scheint die Tasse ihr Bestes zu geben.

Wiedervereint

Endlich kann ich wieder meine Trikots vom Bügel streifen. Damit ist es auch wieder Zeit sich entscheiden zu müssen. Welche Spielerin wird dieses Spiel meinen Rücken zieren? Wie bei der Tasse ist auch hier ein gewisser Aberglaube angebracht. Mit der Nummer drei und Jakabfi verlor ich immerhin noch kein Spiel. Die hellgrüne Beflockung tritt durch die Sonnenstrahlen noch mehr hervor. An solchen Tagen kann ich mich glücklich schätzten, Fan der Frauenfußballabteilung des VfL Wolfsburgs zu sein. Kaum ein Bundesliga Verein bietet Trikots seiner Spielerinnen zum Verkauf an. Wie soll da ein Aberglaube entstehen? Kein Wunder also, dass die Wölfinnen regelmäßig Meister werden.

Der diesjährige Sommer brachte neue Hitzerekorde. Auch an diesem Sonntag Morgen spüre ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut kribbeln. Zum Glück habe ich mir genug Wasser eingepackt. Auf dem Weg zum Hannoveraner Hauptbahnhof fühle ich mich fehl am Platz. Trotz Niederlage sitzen viele 96 Fans mit den verschiedensten T-Shirts und Trikots in der Bahn. Zum Glück brauche ich nur zehn Minuten bis zum Hauptbahnhof.

Im Zug angekommen, entdecke ich schon die ersten VfL Fans. Zwei Männer, um die dreißig, tragen stolz ihre Trikots, einer davon mit der Nummer 28 von Goeßling. Sie sitzen in meiner Nähe und wir tauschen ein freundliches Lächeln aus. Wie ich die Spieltage vermisst habe. Völlig Fremde werden zu Gleichgesinnten.

Eine Stunde fährt der Zug bis nach Wolfsburg. Wir passieren Dörfer wie Immensen-Arpke, Calberlah oder Dollbergen. Es wird Zeit, dass der Wolfsburger Hauptbahnhof endlich in mein Blickfeld gerät.

Kleine Dänin ganz groß

Ein kleiner Fußweg bringt mich nun zum Ziel meines Tages. Das kleine, moderne AOK Stadion im Schatten der großen Volkswagen Arena. Holztreppen führen mich an einer Wasserskianlage vorbei. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich in der Aller wieder.

Mein Ticket habe ich mir zum Glück vorher online bestellt. Die Schlange am Ticketschalter scheint kein Ende zu nehmen. Je näher ich komme, desto mehr bekannte Gesichter sehe ich wieder. Aber mein Weg führt mich an allen vorbei, mehrere weiße Treppen weiter runter. Ich gehe zur anderen Seite des Stadions, denn bei den Stehplätzen fühle ich mich am wohlsten. 90 Minuten lang in der Menge stehen und alles für das Team geben. Was gibt es Schöneres?

Es ist 13.50 Uhr und damit nicht mehr lange bis zum Anpfiff. Beide Teams haben sich schon auf dem Rasen versammelt. Wolfsburg im meisterlichen grünen Trikot und Frankfurt spielt in weiß/rot.

Auf einmal tritt eine kleine, blonde Spielerin hervor. Das dunkelgrüne Trikot mit dem apfelgrünen X ist ihr fast zu groß. Pernille Harder, Wolfsburger Stürmerin, steht jetzt besonders im Rampenlicht. Das Publikum klatscht und ehrt sie, als sie die Trophäe zur UEFA Spielerin des Jahres erhält. Das Strahlen im Gesicht der blonden Dänin ist kaum zu übersehen. Und dann folgt ein Titel, für den ich ihr sehr dankbar bin. Mit 17 Toren schoss sie Wolfsburg letzte Saison fast im Alleingang zur Meisterschaft und wurde damit Torschützenkönigin Von mir aus kann die Dribbelkünstlerin so weiter machen.

Die Punkte bleiben bei den Wölfinnen

Die Wolfsburger Kapitänin Nilla Fischer trägt die Regenbogenbinde als sie die paar Meter bis zur Seitenwahl zurücklegt. Es fing letzte Saison als persönlicher Wunsch an, um ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt zu setzen. Mittlerweile tragen alle Kapitäne des VfL bis zur U10 die bunten Farben um ihren Arm. Eine Kampagne für Vielfalt und gegen Diskriminierung entstand. So fand am ersten September ein Streetkick gegen Homophobie statt, wo Spielerinnen des VfL gegen Flüchtlings- und Fanmannschaften spielten.

14.00 Uhr. Anpfiff. Das Kribbeln steigt immer mehr. Meine Nervosität nimmt zu. Schon jetzt hoffe ich auf das erste Tor. Die Wölfinnen starten super. Frankfurt kommt nicht ins Spiel. Chance um Chance wird vergeben. Immer wieder scheitern sie an dem Pfosten oder an der klasse Torhüterin Bryane Heaberlin. Meine Nerven werden immer mehr strapaziert. Vielleicht war die Sommerpause doch nicht so schlecht.

Plötzlich geht es ganz schnell. Die schnelle Polin Ewa Pajor macht ein paar Meter gegen ihre Gegenspielerin gut, schnappt sich den Ball und weg ist sie. Der Pass auf Hansen und die Norwegerin flankt gekonnt zu Harder. 1:0. Meine Arme schnellen in die Höhe. Wir klatschen uns alle ab. „Rama Lama Ding Dong“ ertönt im Stadion. In diesem Moment kann ich mir kein schöneres Lied als diesen Schlager vorstellen. Apfelgrüne Schals wirbeln umher und die Fans rufen nur einen Namen: Danke Ewa Pajor!So kann es weiter gehen, aber leider bleibt es erst einmal beim 1:0 zur Halbzeit.

Ein Bier und eine Frikadelle später fängt auch schon Hälfte Zwei an. Knapp zwanzig Minuten später belohnt sich Pajor, die auch „Messi“ genannt wird, mit einem schönen Tor zum 2:0. Ich kann es kaum glauben, dass die junge Polin vor ein paar Jahren fast blind gewesen sein soll.

Sieben Minuten später ist dann Zeit für mein Trikot zu jubeln. Zsanett Jakabfi kommt ins Spiel. Die Fans neben mir begrüßen die Ungarin mit „Jay is on fire“-Rufen. Kaum drin und schon lenkt sie das 3:0 durch Alex Popp ein.

Glücklicher Heimweg

Nach 94 Minuten folgt der Abpfiff. Die grünen Spielerinnen fallen sich in die Arme. Geknickt suchen die Frankfurterinnen den schnellsten Weg zur Kabine. Ich bleibe noch ein bisschen stehen und beklatsche die Wölfinnen während ihrer Ehrenrunde, bevor ich die Rückfahrt in Angriff nehme. Der Spieltag stimmt mich froh auf die neue Saison. Die Sehnsucht nach der fünften Meisterschaft ist da. Vielleicht strahlt die Sonne in dem AOK Stadion ja noch ein bisschen länger mit der Hilfe einer weiß/grünen Tasse…

Eine Reportage von Louisa-Maria Reinhardt (BA-SJ-10-H-VZ)

Sportlehrredaktion 1

Quellen:

http://www.fussball.de/liveticker.dfb/-/match_id/0243FE0KO8000000VS54898EVUVF00VA

https://www.sport1.de/fussball/frauen-mehr/2018/08/frauen-pernille-harder-vom-vfl-wolfsburg-ist-europas-fussballerin-des-jahres

https://www.dfb.de/news/detail/pernille-harder-mit-torjaegerkanone-geehrt-192682/?no_cache=1&cHash=e1078aebd0d7ff665168b810625ce539

https://www.vfl-wolfsburg.de/newsdetails/news-detail/detail/news/streetkick-gegen-homophobie/

https://www.bernerzeitung.ch/sport/fussball/mit-der-kapitaensbinde-in-regenbogenfarben/story/17928471

http://www.sportbuzzer.de/artikel/sehprobleme-uberwunden-vfl-sturmerin-ewa-pajor-hat-wieder-den-durchblick/


Schlagworte: 1. FFC Frankfurt, Alexandra Popp, Allianz Frauen-Bundesliga, Ewa Pajor, Pernille Harder, Torjägerkanone, VfL Wolfsburg Frauen, Vielfalt

Artikelinformationen


Datum: 27. September 2018
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Kurzlink: bit.ly/1DASnWi