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Bayern und Guardiola am Scheideweg: Ist die Meisterschaft genug?

„Josep Guardiola 0525“ von Thomas Rodenbücher - duke-0525. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

Nach der denkwürdigen 0:3 Hinspiel-Niederlage beim FC Barcelona steht der FC Bayern vor dem Aus in der diesjährigen Champions League-Saison. Trainer Pep Guardiola befindet sich nach einem erneuten Scheitern im Halbfinale nun in einer prekären Situation. Bereits eine Woche zuvor schieden die Bayern im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund aus und verspielten damit die Chance auf einen weiteren Titel. Sollte sich im Rückspiel gegen Barcelona keine Sensation anbahnen, erreicht der deutsche Rekordmeister in dieser Spielzeit nur eines seiner drei ausgegebenen Ziele. Was nach den herben Rückschlägen bleibt, ist die Frage, ob Guardiola noch der richtige Mann am richtigen Ort ist.

Veröffentlicht am 07. Mai 2015 von

Die personell angeschlagenen Münchner hielten auch aufgrund eines starken Manuel Neuer lange ein 0:0 im Camp Nou, ehe der FCB bei der Rückkehr ihres spanischen Trainers an alter Wirkungsstätte nach dem Doppelschlag von LionelMessi innerhalb von drei Spielminuten (77. und 80.) zusammenbrach.
„Ich bin hier, um zu gewinnen. Es ist fast unmöglich in Barcelona nur mit Verteidigung zu spielen. Wir müssen angreifen“, gab Guardiola vor dem Spiel eine Marschroute vor, die nicht nur auf Abwarten aus gesicherter Defensive abzielte.Trotz mehrerer Verletzungen (Nasenbeinbruch, Oberkieferbruch, Schulter-und Rippenblessuren) lief deshalb Robert Lewandowski im Sturmzentrum der Bayern auf. Zu keiner Zeit des Spiels konnte er jedoch wirkliche Gefahr ausstrahlen. Ausgenommen ist die 18. Minute, als der polnische Nationalspieler völlig freistehend vor Marc-Andre Ter Stegen auftauchte, das Leder aber nicht entscheidend drücken konnte und somit die einzige wirkliche Chance der Münchner vergab.
Anderes gilt für die Katalanen, die sich mehrere Großchancen in der ersten Halbzeit erspielten. In der 12. Minute war es Suarez, der allein auf Manuel Neuer zulief und an diesem scheiterte. Nur drei Minuten später konnte Bayern‘s Außenverteidiger Rafinha den Rückstand seiner Mannschaft verhindern, indem er den Abschluss von Neymar aus kürzester Distanz neben das Gehäuse von Neuer abfälschte. Fünf Minuten vor Pausenpfiff war es erneut der Weltmeister, welcher gegen Dani Alves stark parierte und somit das 0:0 zur Pause festhielt.

 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit haben die Bayern das Offensivspiel von Suarez, Messi und Co. deutlich besser unter Kontrolle. Mitte der zweiten Hälfte ändert sich auch die Gangart der Partie. Die Zweikämpfe werden härter und Rizzoli reagiert prompt mit mehreren gelben Karten für die Akteure beider Mannschaften. Torchancen sind in dieser Phase des Spiels eher Mangelware.
Gerade als die Münchner das Geschehen selbst immer besser in den Griff zu bekommen schienen, schlägt Barcelona plötzlich zu. Nach Ballverlust von Juan Bernatweit in der eigenen Hälfte schaltete Dani Alves am schnellsten und bediente Messi, der 20 Metern 1:0-Führung traf (77.) Der Bann Manuel Neuer zu überwinden schien nun gebrochen. Nur drei Minuten später zog der viermalige Weltfußballerim gegnerischen Strafraum in unnachahmlicher Manier an FCB-Verteidiger Boateng vorbei und lupfte den Ball aus kurzer Distanz über Neuer hinweg.

 

In der Schlussphase versuchten es die Bayern wenigstens noch den Anschlusstreffer zu erzielen, Durchschlagskraft war dabei jedoch nicht zu erkennen. Stattdessen gelang es Neymar in der Nachspielzeit dem FCB den Gnadenstoß zu verpassen. Nach Zuspiel vom Doppeltorschützen Messi lief der Brasilianer allein auf den Keeper der deutschen Nationalmannschaft zu und schloss eiskalt per Flachschuss ab, 3:0. Mit diesem Ergebnis ist die Ausgangslage für das Rückspiel in einer Woche in München denkbar schlecht für das Team von Trainer Pep Guardiola.

 

Die Probleme für das Unterfangen des deutschen Rekordmeisters sind vielfältiger als gedacht. Die Langzeitverletzten wie Alaba, Robben, Ribery und Badstuber sind Spieler, die es auf diesem Niveau mit der Zeit nicht adäquat zu ersetzen gibt. Zum anderen ist da aber auch das TrioXabi Alonso, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Spieler, die nach Verletzungspausen noch nicht wieder bei 100 Prozent angelangt sind. Spieler, die zudem langsam alt werden.Vor allem der 30-jährige Schweinsteiger demonstrierte im Camp Nou, dass er von seiner Topform vergangener Tage derzeit meilenweit entfernt ist. Der Nationalspieler gewann unterirdische 12,5 Prozent seiner Zweikämpfe, leistete sich zehn Fehlpässe und schoss zudem nicht einmal aufs Tor. „Die Spanier sind extrem quirlig, da hatten wir heute Probleme“, gab Thomas Müller zu und kritisierte damit ungewollt seine Teamkollegen aus dem Mittelfeld, was anschaulich an Bastian Schweinsteiger zu sehen war, welcher extreme Geschwindigkeitsprobleme aufwies.

 

Guardiola, der taktisch viel ausprobierte übernahm erstmals nicht die Verantwortung für eine Niederlage eines wichtigen Spiels. In der Vergangenheit stellte er sich noch eindrucksvoll vor die Mannschaft, auch am gestrigen Abend gab er zu, seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen zu können, jedoch sah er die Schuld für das Versagen in der langen Verletztenliste. „Wir haben nun mal die Probleme, die wir haben“, sagte er.

 

Die hochgesteckten Ziele des FC Bayern München konnte der Spanier in diesem Jahr erneut nur teilweise erfüllen. Das Aus gegen den Konkurrenten aus Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals kam zum wohl ungünstigsten Zeitpunkt. Trotz klarer Überlegenheit gelang es nicht, den BVB zu bezwingen und ins Finale einzuziehen. Ein Knackpunkt für die Mannschaft, der nach der Leistung am gestrigen Abend, wohl noch immer nicht überwunden ist. Die Meisterschaft ist momentan der einzige Titel, der dem deutschen Rekordmeister in dieser Spielzeit bleibt, gegen die Borussia verabschiedete man sich aus dem deutschen Pokal und mit der Hinspiel-Niederlage in der Champions League stehen alle Anzeichen auf Ausscheiden. Ein Indiz dafür, dass die Bayern nur eine durchschnittliche Saison spielt, obwohl es lange Zeit so schien, als würden sie ganz Europa dominieren. Die Konstanz im Spiel geht von Mal zu Mal verloren, weshalb auch Pep Guardiola nicht mehr unantastbar bleibt. Der Vorstand der Münchner will ihn trotz der vergangenen Rückschläge unbedingt halten, jedoch ist es der Spanier, der sich für Verbleib oder Abschied entscheiden muss. Es ist also spannend zu beobachten, ob der Spanier auch in der kommenden Saison auf der Bayern-Bank Platz nimmt und einen erneuten Anlauf für das Triple startet.


Schlagworte: FC Bayern München

Artikelinformationen


Datum: 07. Mai 2015
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Bildquelle: „Josep Guardiola 0525“ von Thomas Rodenbücher - duke-0525. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.


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