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Das Leiden eines HSV Fans

Der HSV befindet sich im Abstiegskampf. Nach dem Sieg gegen Wolfsburg haben die meisten HSV- Fans wieder Hoffnung. So auch mein Bruder

Veröffentlicht am 02. Mai 2018 von

Nach einer fünf minütigen Fahrradtour komme ich endlich an. Stelle mein Fahrrad ab und schließe es an. Ich beeile mich. Es ist 15 Uhr. Ich klingel. Langsam macht mein Bruder Marco die Tür auf. “Na endlich, komm rein“, sagt er mit angespannter Stimme. In der Küche riecht es nach Lasagne. Voller Euphorie werde ich im Haus von der 20 Kilo schweren English Old Bulldogge Rosalie begrüßt. Wenigstens eine die sich über meine Anwesenheit freut. Ich lege meine Jacke ab. “Komm schnell raus, ich muss dir was zeigen!“, sagt Marco mit einem Befehlston und zeigt auf die Terrasse.

Die Sonne brennt, die Vögel zwitschern. Aus dem grünen Rasen ragt ein Fahnenmast und ganz oben weht die Flagge des HSV in der leichten Brise. Marco ist stolz. “Die habe ich extra für heute gekauft“, erzählt er mit einem breiten grinsen auf den Lippen. Seit ungefähr einer Stunde hat er draußen alles fertig gemacht. Den Fernseher aufgebaut, sowie das Sofa und Getränke raus gebracht. “Schnell, setzt dich! Es fängt gleich an“, sagt er. Mittlerweile sitzen wir beide auf dem Sofa. Marco nimmt die graue Fernbedienung in die Hand und drückt den roten „An-Knopf“. Neben ihm steht die Zapfanlage. Er nimmt sein Glas und zapft sich ein kühles Bier. Das Glas beschlägt. Ich trinke eine Cola. Aus dem Fernseher ertönt “Und damit geben wir ab zum Spiel Wolfsburg gegen den HSV“. Marco wird auf einmal ganz leise.

Das Spiel beginnt. Schon in den ersten Minuten macht der HSV Druck. Mein Bruder, der sich dazu entschlossen hat das Spiel selbst zu kommentieren, ist immer noch angespannt. Zehn Minuten sind vergangen. Wolfsburg führt einen Freistoß aus. Pollersbeck hält. Ich schaue kurz rüber. Mein Bruder hält sich die Hände vor das Gesicht. In der 42. Minute passiert es dann. Ein Hamburger Spieler wird im Strafraum gefoult. Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt. Wood macht sich bereit und legt sich den Ball hin. Neben mir höre ich nur ein winseln “nicht der, bitte nicht der!“. Ein Pfiff ertönt und Wood läuft an. Die Maschen des Netzes schlagen Wellen. Der Ball ist drin. Marco freut sich. Es ertönt ein kräftiges “ja!, ich wusste doch dass er das kann!“. Ich rolle mit den Augen.
In der 45. Spielminute trifft Hamburg erneut, dieses mal durch Holtby. Marco springt auf und ballt seine Hand zu einer Faust. Nach ein paar Sekunden voller Freunde, setzt er sich langsam wieder hin. Erleichtert gucken mein Bruder und ich das Spiel weiter bis der Schiedsrichter zur Pause pfeift.

In der Halbzeitpause erledigt er viele Dinge, die er während des Spiels nicht machen konnte. Ließt seine Nachrichten, wirft eins zwei Bälle zu Rosalie und checkt die anderen Spielstände. Nach 15 Minuten Pause betreten die Spieler wieder den Platz. Marco, der mittlerweile ruhig neben mir sitzt, genießt das Spiel. Doch in der 78. Minute dann der Anschlusstreffer für den VFL Wolfsburg. Pessimistisch ruft er “ich wusste das schaffen die nicht!“. Es sind noch ungefähr 10 Minuten zu spielen und Marco ist wieder nervös. Der Anschlusstreffer macht ihm zu schaffen. Mit seinem linken Zeigefinger tippt er auf sein linkes Bein. In seiner rechten Hand hält er sein Bier. Es wird nochmal spannend. Hamburg bekommt in der 90. Minute nochmal einen Elfmeter. Kostic macht sich bereit. Mit zitternder Stimme spricht Marco “Nein, nicht Kostic. Der hat doch gegen Mainz verschossen“. Kostic setzt zum Lauf an und schießt auf den Torwart. Währenddessen ertönt ein „Nein, du Blinder“, rechts neben mir. Nachschuss von Waldschmidt und der Ball ist drin. Erneut springt mein Bruder auf und freut sich, aber diesmal mit mehr Elan als vorher. “Das war es!“, freut er sich. Der Schiedsrichter pfeift ab.

Marco und ich sind erleichtert. Nach 90 Minuten voller Angst und Nervosität, kann er jetzt wieder Witze über seinen geliebten HSV machen. „Wenn Hamburg drin bleibt, laufe ich nächstes Jahr 1887 Kilometer“. Ich lache. Trinke noch den letzten Schluck aus meinem Glas aus und ziehe meine schwarze Jacke an. Fröhlich und mit neuem Mut verlasse ich das Haus.

 

Eine Reportage von: Darleen Ilmer (BA-SJ-08-H-VZ)


Schlagworte: Abstiegskampf, Bundesliga, HSV

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Datum: 02. Mai 2018
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