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Fußball

Der Kampf gegen die Demotivation

Zu Beginn der neuen Saison hat jeder das Ziel sich einen Startelf-Platz zu erkämpfen. Bei den Profis wie auch in der Jugend. In der Bundesliga wie auch bei den Amateuren. Doch wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, sinkt die Motivation sehr schnell.

Veröffentlicht am 27. September 2018 von

Schlurfen über den Kies. Mit seinen schwarzen Adidas Turnschuhen läuft er über den unebenen Boden. Von seiner linken Seiten drängen Autogeräusche an sein Ohr. Ein paar Vögel sind noch zu hören. Die grün-schwarze Tasche von seinem Verein trägt er lässig über der Schulter. Sie hängt ihm bis zur schwarzen Trainingshose runter, mit der Nummer 14. Das Haar ist nicht gekämmt und der Blick auf den Boden gerichtet.

Es ist ein typischer Sonntag für den jungen Nachwuchsfußballer Niclas. Der Rasen des Sportplatzes leuchtet in einem satten Grün und ist frisch gemäht. Doch bevor dieser betreten wird, geht es erst in die Kabine – umziehen und Teambesprechung! Einige Spieler sind noch müde – sie gähnen. Auch Niclas – er ist ein Langschläfer. Vielleicht waren einige gestern noch feiern und sind noch nicht ganz bei sich. Treffen war bereits um 14:45 Uhr. Aber um 16 Uhr zum Anpfiff sollen alle wach sein. Die Augen offen und der Verstand klar, damit sich auf das anstehende Spiel gegen Eintracht Hannover fokussiert werden kann. 

Die Entscheidung zwischen kämpfen und aufgeben

Um kurz vor 16 Uhr geht es aus der Kabine, jetzt sollten alle bereit sein. Drei große Plätze gibt es in Heessel. Die Jungs in den grünen Trikots und dazu passenden grünen Hosen, steuern den hintersten an. Den C-Platz. Niclas ist unter ihnen. Etwas lustlos schlurft er hinterher und nimmt auf der Bank platz. Der  3. Spieltag an dem das seine Position ist. Der nächste Sonntag an dem er nicht in der Startelf steht. Natürlich ist an seinem Gesicht abzulesen, dass er nicht zufrieden damit ist. 

Doch die Konkurrenz ist groß. Immer wieder platzen Träume von Kindern und Jugendlichen. Dann hören viele Jugendliche auf mit dem Fußballspielen.  Auch Niclas hatte schon solche Gedanken. Denn in seinem Alter, mit 15, gibt es viele Dinge, die interessanter sind. Die erste Freundin, mit der man am liebsten die ganze Zeit verbringen möchte, statt zum Training zu gehen. Die Schule nimmt viel Zeit in Anspruch. Vor allem wenn man älter wird und sich so langsam entscheiden muss, was nach der Schule das  berufliche Ziel ist. Die Fahrschule kommt dazu, irgendwo muss man immer die Fahrstunden mit in den Tag eingebaut bekommen. 

Anfänge sind schwer

Das Spiel plätschert so vor sich hin, der Heesseler SV ist mit Tabellenplatz 3 klarer Favorit. Gast Eintracht Hannover steht aktuell nur auf Tabellenplatz 8 und muss die letzte Heimniederlage mit 7:2 noch verkraften. 

Das Spiel kommt langsam in Fahrt. In der 30. Minute gelingt dem Heesseler SV der Führungstreffer. Die Eltern von draußen, die sich hinter den Trainerbänken positioniert haben, klatschen und jubeln. Sie stehen leicht erhöht auf dem Hügel am Waldrand. Von da aus haben sie einen guten Blick auf das Spielfeld. Ehemalige blaue Stadionsitze, aus dem alten Niedersachsen Stadion laden zum Sitzen ein.  

Niclas darf den Führungstreffer von der Bank aus bejubeln und wartet auf seinen Einsatz. Wie gerne hätte er bei dem Treffer mitgeholfen. 

Acht Minuten später gleicht die Eintracht aus und es steht 1:1. Ein kleiner Dämpfer. Der Trainer gestikuliert und schreit am Spielfeldrand. Es erinnert an einen Schauspieler aus einer Musicalaufführung. Er läuft auf und ab und erklärt den Spielern lautstark, was sie besser machen sollen.

Ein paar Minuten später ertönt der Pfiff zur Halbzeit. 40 Minuten sind gespielt. 40 Minuten, die in der Halbzeit erstmal analysiert werden müssen. Denn als Favorit war diese Leistung zu wenig.

Die Mannschaft folgt ihrem Trainer in die Kabine. Niclas schnappt sich seinen schwarzen Team Pullover, zieht sich diesen über, nachdem er sich von der Ersatzbank erhoben hat. Dann folgt er seiner Mannschaft über den Platz zur Turnhalle, in der die Kabinen sind. Mit deutlich schlechterer Laune als vor dem Spiel. Mit jeder nichtgespielten Minute schwindet die Motivation.

Fußball ist Kopfsache

Zum Fußball gehört eben auch der Kopf. Wenn es an Selbstvertrauen mangelt oder eine emotionale Blockade vorliegt, kann das Einfluss auf die Leistung nehmen, die im Training abgerufen werden soll. Gerade im Amateurfußball führen solche persönlichen Niederlagen über kurz oder lang zur schwindenden Motivation und schlechte Beteiligung am Training. Die Negativspirale setzt sich in Gang: wenig Motivation – die Trainingsleistung fällt ab – der Spieler wird nicht aufgestellt beim nächsten Spiel. Man hat also schon verloren, bevor es erst losgeht. 

Der Trainer sollte mit dem Spieler durchgehen, was gut gelingt. Besprechen was er tun kann um sich zu verbessern, um das Selbstbewusstsein zu stärken. Wichtig ist es, dass der Trainer positive Anreize setzt. Denn ein selbstbewusster Spieler ist motivierter und damit letztlich auch leistungsbereiter. 

Mit jeder Minute sinkt die Laune

Niclas und seine Mannschaft kommen nach circa zehn Minuten wieder aus der Kabine. Marschieren über den Platz und jeder nimmt wieder seine Position ein. So auch Niclas. Erstmal wieder auf der Bank. 

Die Sitzbänke sind umgeben von einem milchfarbigen Plastikglas, dass die Spieler etwas von den Zuschauern und der gegnerischen Bank abschirmt. Insgesamt sitzen fünf Feldspieler und ein Torwart auf der engen Holzbank. Alle warten auf Einsatzzeiten. Alle warten darauf nicht umsonst die Fußballschuhe geschnürt zu haben.

Das Spiel beginnt wie es aufgehört hat. Dennoch mit Vorteilen auf der Heimseite. Sie kommen aber nicht zum Abschluss und so lässt das nächste Tor auf sich warten. Der Zeiger der Uhr hat bereits 17 Uhr erreicht. Die Luft ist etwas frischer geworden und der Himmel etwas dunkler. 

Zwei Ersatzspieler werden zum warmmachen geschickt. Sie laufen langsam neben der Bande auf und ab. Niclas sitzt immer noch auf der Bank. Auch bei der ersten Auswechselung. Die Rückennummer 14 ist nirgendwo auf dem Platz zu sehen. Er kann nur zusehen wie seine Position neu besetzt wird, denn der Trainer hat nicht ihn als Ersatz gewählt. „Wieso werde ich nicht eingewechselt, wieso kriege ich keine Minuten?“, fragt er sich immer wieder.

Dezemberkinder haben es schwer

Niclas gehört zu den jüngsten in seinem Jahrgang. Das Geburtsdatum kann ein Nachteil für die sportliche Karriere sein, wie es einem Artikel von Zeit Online heißt. Diesen Nachteil hat auch Niclas. Er ist klug, groß, breit gebaut für sein Alter und ein Teamspieler. Er könnte genauso mithalten wie der Rest. Doch sein Problem: Er ist Ende des Jahres geboren und damit jünger als die meisten seiner Mitspieler – teilweise fast ein Jahr.  Bevorzugt werden ältere, die angeblich leistungsstärker und weiter entwickelt sind. Dennoch kann Niclas körperlich auf jeden Fall mit seinen Mitspielern mithalten. 

Auch Experten sind sich einig, dass das Talent nicht vom Geburtsmonat abhängig ist. Jugendtrainer müssten eigentlich das Kriterium des aktuellem Leistungsvermögens ignorieren und auf das potenzielle Leistungsvermögen setzen. 

Zeit Online hat sich die Kader der DFB Jugendmannschaften genauer angeguckt: Nur etwa jeder Zehnte, der rund  170 Kaderspieler von U15 bis U21 Mannschaften sind im letzten Jahresquartal geboren. Auch wenn man sich den aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft einmal genauer ansieht, gibt es nur drei Spieler die zwischen Oktober und Dezember geboren sind. Wissenschaftlicher sind sich einig, dass dieser Alterseffekt unfair ist und das Selbstbewusstsein der Spieler stark angreift. Von diesem Alterseffekt ist auch Niclas betroffen. Ist das der Grund, weshalb er auf der Bank sitzt?

Trotz Sieg herrscht Unzufriedenheit 

Das Spiel neigt sich dem Ende, es steht bereits 2:1 für Heessel. Fast alle Ersatzspieler wurden eingewechselt, nur Niclas nicht. Nicht mal ein paar Minuten hat er bekommen, die helfen würden  die Motivation zu steigern. Kurz vor Schluss erzielt Heessel dann noch das 3:1 und gewinnt somit deutlich das 3. Saisonspiel in der B-Junioren Bezirksliga. 

Die Freude über die drei Punkte müsste groß sein, doch Niclas ist frustriert! „Mama, ich habe keine Lust mehr!“ An seinem Gesichtsausdruck und seinen Worten ist zu erkennen, wie groß der Frust über die aktuelle Situation ist. Wie er später seiner Familie mitteilt, überlegt er den Verein zu wechseln oder komplett aufzuhören. Ein Fussballer will eben spielen.

Doch bevor er diesen drastischen Schritt vollzieht, können ihn die Familie und Freunde überreden beim nächsten Training den Dialog mit seinem Trainer zu suchen. 

Eine Reportage von Katharina Weykopf (BA-SJ-10-H-VZ)

Sportlehrredaktion I

Quellen:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutscher-fussball-bund-kaempft-gegen-jugendschwund-a-1084246.html

https://www.zeit.de/sport/2013-06/dfb-u21-nachwuchsfussball-dezemberkinder

http://www.fussball.de/mannschaft/vfl-eintracht-hannover-vfl-eintracht-hannover-niedersachsen/-/saison/1819/team-id/011MIARH5G000000VTVG0001VTR8C1K7#!/

http://www.fussball.de/spiel/heesseler-sv-vfl-eintracht-hannover/-/spiel/0240T9EJSO000000VS54898DVSE4SAI6#!/

http://www.fussball.de/mannschaft/heesseler-sv-heesseler-sv-niedersachsen/-/saison/1819/team-id/011MID8PO8000000VTVG0001VTR8C1K7#!/

https://www.fussballtraining.de/allgemein/motivation-nur-motivierte-spieler-siegen/26331/


Schlagworte: Amateure, Demotivation, Fußball, Jugendfußball, Kopfsache, Nachwuchs, Spieltag

Artikelinformationen


Datum: 27. September 2018
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