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Eine Rose für Gladbach

Im Sommer stand bei Borussia Mönchengladbach vieles auf dem Prüfstand trotz des eigentlich erfolgreichen Abschneidens unter Dieter Hecking. Der neue Chef an der Seitenlinie heißt jetzt aber Marco Rose, der nicht nur einen ehemaligen Schützling von RB Salzburg mit an den Niederrhein bringt, sondern sich auch auf die Unterstützung eines ganz besonderen Trainergespanns verlassen kann.

Veröffentlicht am 09. August 2019 von

(Mönchengladbach.) Knapp 13 Jahre ist es her, da war Marco Rose zuletzt zu Gast im Gladbacher Borussia-Park in der 1. Bundesliga. Damals dirigierte der gebürtige Leipziger seine Mannschaft jedoch nicht von der Seitenlinie aus, sondern stand als Akteur selbst auf dem Platz. Mit dem 1. FSV Mainz 05 trotzte er der Borussia ein 1:1-Unentschieden ab, vorbereitet von Linksverteidiger Rose in der 89. Spielminute. Es war eine von gerade einmal 19 Torbeteiligungen des Fußballprofis, die mit Ausnahme der deutschen Zweitligameisterschaft auch nicht mit Trophäen gekrönt war. Der Trainer Marco Rose hingegen hat schon Titel wie die UEFA Youth League mit Salzburgs A-Junioren, zweimal die österreichische Meisterschaft und einmal den österreichischen Pokal in seiner Vita stehen.

Doch der 42-Jährige bringt mehr mit nach Mönchengladbach als einige Titel in der eher zweitklassigen österreichischen Bundesliga. Der Salzburger Klub, tatkräftig unterstützt mit finanziellen Zuwendungen der milliardenschweren Red Bull GmbH, hat sich einen Namen gemacht in der Ausbildung vielversprechender Talente für den internationalen Spitzenfußball – ganz besonders für den Schwesterklub aus Leipzig. Talente wie Hannes Wolf, Amadou Haidara (beide RB Leipzig) und Xaver Schlager (VfL Wolfsburg) haben ihren fußballerischen Durchbruch zu einem großen Teil dem Vertrauen Roses zu verdanken, der sie schon in jungen Jahren förderte und anschließend zu Profis entwickelte.

Ein Außenverteidiger als Prototyp

Das kann man auch von Stefan Lainer behaupten, der seinem Trainer für die kolportierte Ablösesumme von 10 Millionen Euro aus der Mozartstadt nach Mönchengladbach folgt. Der Rechtsverteidiger war schon in Salzburg Stammspieler und eine prägende Figur für die Weiterentwicklung des Aufbauspiels. Laut Lainer war speziell Rose ein ausschlaggebender Grund für seinen Wechsel: „Natürlich hat der Trainer bei dem Wechsel eine Rolle gespielt, aber Borussia ist ohnehin ein toller Verein mit einem großen Potenzial.“.

Denn statt den Außenverteidiger als letzte Anspielstation zu betrachten, um den Ball aus der Gefahrenzone im Abwehrzentrum zu befördern, wurde Lainer von Rose bewusst in das Aufbauspiel einbezogen. Von dort aus ist es das Ziel der Spielidee, die vorderste Pressinglinie des Gegners mit schnellen Diagonalpässen zu überspielen. Dass Lainer dieses System in und auswendig kennt und sich sichtlich wohl darin fühlt, konnte man schon am vergangenen Wochenende bei der Gladbacher Saisoneröffnung gegen den FC Chelsea feststellen. Innenverteidiger Matthias Ginter bot sich auf Höhe des 5-Meter-Raums an, lockte somit den Londoner Stürmer raus und öffnete damit den Passweg von Torhüter Yann Sommer auf Lainer, der den Angriff anschließend blitzartig in das Mittelfeldzentrum weiterleitete.

Zwei ganz unterschiedliche Assistenten

Doch die Borussia dürfte noch von weiteren Personalien profitieren, die Rose und Lainer an den Niederrhein begleiten. Speziell die beiden Co-Trainer René Marić und Alexander Zickler könnten von ihrem sportlichen Hintergrund unterschiedlicher kaum sein. Während Marić vermutlich nur Insidern der Szene bekannt sein dürfte, war Zickler selbst früher Profi und während seiner Zeit beim FC Bayern München ziemlich erfolgreich mit dem siebenfachen Gewinn der deutschen Meisterschaft und dem Triumph in der UEFA Champions League. Er selbst blieb jedoch vor allem damit in Erinnerung, dass er über viele Jahre hinweg der Rekordjoker der Bundesliga war, bevor er seine Karriere in Österreich ausklingen ließ. Gleich im Anschluss daran wechselte er ins Management von RB Salzburg, entschied sich jedoch wenig später für die Trainerlaufbahn und stieß über das „Farmteam“ der Österreicher, den Zweitligisten FC Liefering, zu den Profis der Salzburger. Dort lernte er Rose kennen und überzeugte ihn mit seiner akribischen Arbeit und der Erfahrung als ehemaliger Fußballprofi, sodass dieser ihn nun mit Gladbach nahm.

Wie auch seinen Assistenztrainer René Marić, der einen ganz besonderen Werdegang genommen hat. Nach seinem Studium der Psychologie machte sich Marić in der Fußball-Branche erstmals einen Namen als Mitgründer des Taktik-Blogs „spielverlagerung.com“, wo er lange Zeit selbst als Autor aktiv war und spielerische Ansätze in den Gesamtkontext einordnete. Zu einer Zeit, als Rose noch den Salzburger Nachwuchs trainierte, zog Marić mit seinem Profil das Interesse auf sich und bekam die Chance, sich als Co-Trainer zu beweisen. Die Beförderung zu den Profis und den jüngsten Wechsel nach Gladbach verdankt er dabei nicht nur seinem Wissen als Taktik-Experte, wie er selbst erklärte: „Auf dem Niveau sind es oft nur noch feine Details, die Spieler inhaltlich weiterbringen, was natürlich für den Trainer sowohl in der Trainingsplanung als auch im Coaching nicht so einfach ist.“

Auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft?

Für die Borussia könnte sich das Salzburger Team, ergänzt unter anderem durch den Athletik-Trainer Patrick Eibenberger, zu einem wahren Glücksfall entpuppen. Denn Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hat sich in der Branche einen Namen damit gemacht, den Verantwortlichen Vertrauen zu schenken und ihnen Zeit zu geben, um ihre sportliche Vision zu verwirklichen. Dieses Vertrauen und etwas Geduld wird sicher auch bei Rose notwendig sein, denn seine Idee von einem aggressiven Offensivpressing und gut strukturierten Positionsspiel nach der Balleroberung bedeutet im Vergleich zu früheren Zeiten eine größere Umstellung der Gladbacher Philosophie. Doch ganz besonders seine Anpassungsfähigkeit, die Rose schon in Salzburg unter Beweis gestellt hat und bei seinen Gladbacher Vorgängern als fehlend kritisiert wurde, könnten dazu führen, dass die Borussia auf eine vielversprechende Zukunft blicken darf.

Denn auf der Management-Ebene operiert man schon längst nahe am Maximum der eigenen Möglichkeit und stellt eine attraktive Anlaufstelle für viele internationale Talente dar. Doch die Verpflichtung des neuen Trainers könnte dazu führen, dass man langfristig den Borussia-Park nicht mehr nur unregelmäßig als Zielort von internationalen Spielen ansteuert. Dann allerdings mit Marco Rose als Dirigenten an der Seitenlinie und nicht mehr als Vorlagengeber für späte Tore.

Welche Erwartungen das Gladbacher Umfeld an ihren neuen Trainer hat und welche Hoffnung sie mit der kommenden Saison, beginnend mit dem heutigen DFB-Pokalspiel beim SV Sandhausen, verbinden, haben wir im Rahmen der Saisoneröffnung gegen den FC Chelsea in Erfahrung gebracht:

Ein Bericht von Timo Ezilius (BA-SJ-09-K-VZ) im Modul Software Grundlagen.


Schlagworte: 1. Bundesliga, Alexander Zickler, Borussia, Borussia Mönchengladbach, Borussia-Park, DFB-Pokal, FC Chelsea, Fußball, Gladbach, Marco Rose, Max Eberl, Mönchengladbach, RB Salzburg, René Marić, Stefan Lainer, SV Sandhausen, Trainer

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Datum: 09. August 2019
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