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Kolumne

„Lügenpresse“ macht beim zitieren „entscheidische Fehler“

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(Hannover.) Es ist für viele von uns immer noch ein wunderschönes morgendliches Ritual: Nachdem wir bei Facebook, Instragramm und Co. uns wieder auf den neusten Stand gebracht haben und bei Tinder uns zum x-ten Mal ärgern, welche hässliche Sumpfeule nachts um halb 3 „gematcht“ hat, bleibt nur noch ein Lichtblick; Kaffee und die ganzseitige Berichterstattung über den Lieblingsverein.

Veröffentlicht am 22. September 2015 von

Bei mir in der Region ist es der Fußballbundesligist Werder Bremen und jedes Mal freue ich mich alle, wirklich alle Artikel aus den unterschiedlichen Printmedien zu konsumieren. Ich freue mich auf die ungefilterte, subjektive, kompetente Einschätzung eines Journalistenkollegen, der sich Tag für Tag die Hacken für uns Leser wund läuft, um nur ein kurzes Standard-Zitat von Spieler, Trainer oder Funktionär á la „wir nehmen den Gegner ernst“, oder „wir verlassen uns auf unsere eigene Stärke“, zu bekommen.

Und doch frage ich manchmal: In Zeiten der sozialen Medien, in der die Arbeit der Journalisten immer kritischer betrachtet wird, warum das Wort „Lügenpresse“ zum Alltag gehört und ob seriiose…serrööse…serierös…ahhhhhh GLAUBHAFTER Qualitätsjournalismus von „Spekulations-Journalismus“ abgelöst wird. WARUM INTERESSIERT SICH NIEMAND FÜR DIE ZITIERWEISE??

Nicht bloße Theorie

Da wollen wir Journalisten wertgeschätzt werden! Wissen Sie eigentlich wie schwierig es ist, den ein oder anderen „Experten“ zu interpretieren. Hier Beispiele aus aktuellen Sporttageszeitungen über die Pressekonferenz zum Auswärtsspiel von Werder Bremen in Darmstadt. Trainer Viktor Skripnik wird wie folgt zitiert:

Sport1: „Gerade in dieser Saison hat ‚Luki‘ schon einige gute Spiele gemacht. Wir haben Vertrauen in ihn“, sagte Trainer Viktor Skripnik.

Bild:  Viktor Skripnik: „Es braucht niemand zu spekulieren. Luki wird von Anfang an spielen. Keine Diskussion. Er hat schon sehr viele gute Spiele für uns gemacht. Es kann nicht sein, dass ein Trainer nach jedem Fehler wechseln muss. Ich vertraue meinen Spielern.“

Jooo, alles klar! Zur Erklärung: Ein Zitat ist eine wörtlich übernommene Stelle aus einem Text oder ein Hinweis auf eine bestimmte Textstelle – zumindest sollte es so sein und so war es doch auch mal oder? Und auch andere Medien, wie Bilder und Musik, können als Zitat verwendet werden (Quelle: Wikipedia – #Qualitätsjournalismusfängtbeiwikipediaan)

Der „richtige“ Weg durch den Zitatedschungel

Wir haben uns mal den Spaß gemacht und die ersten zwei wörtlichen Aussagen von Chefcoach Viktor Skripnik von Werder Bremen vom 21.09.2015 schriftlich festzuhalten. Wichtig für das Hintergrundwissen: Werder Bremen hat in der Fußballbundesliga zwei Tage zuvor in der Nachspielzeit durch einen verschuldeten Elfmeter von Assani Lukimya im Bremer Weserstadion gegen Ingolstadt verloren. Das Thema der neuen PK war: Das Auswärtsspiel am nächsten Tag, 22.09.2015, 20 Uhr in Darmstadt.

Reporter Carsten Sander (Kreiszeitung Syke): Viktor, wie habt ihr dieses 0:1 aufgearbeitet ähhhmm? Wie seid ihr da rangegangen, was habt ihr bisher getan? Und überhaupt tun können?

Skripnik: „Ja wir haben Gott sei dank noch ein Tach heute. Wir haben morgen noch Training, ähhh 10 Uhr da – ääähhhhhh – jeder kann sagen, dass Krankheit zählt, oder oder ähhh macht besser Zeit. Das ähhh diese Zeit brauchen wir. Natürlich, wir versuchen schnell wie möglich abschalten von diese Sache. Klar, dass ist natürlich bitterer Verlust – ein Punkt, dass ist ähhh echt ähhh vielleicht für den nicht schlecht gewesen für unsere Tabellensituation. Wir haben das diese Punkte nicht behalten können hier – und, ja, nochmal – dass ähhh ich hoffe, dass ist trotzdem bei jeder, wir haben Sitzung gehabt, dass ähhh gemacht und ähhh jeder soll einfach mental sich versuchen schnell wie möglich raus von von diese ääähhh negative so da Gedanken oder noch was….es gibs schlimmeres im Leben, dass ist definitiv. Und nicht das wir da nur Kopfschütteln wir und…nur jetzt reden wir über Ingolstadt. Bei uns ist schon ab gestern schon nicht der Fall – wir sind schon aktiv über unsere  Gegner fokussieren, kann ich so sagen…und schauen wir wie das morgen wird

Christoph Sonnenberg (Bild):  In welcher mentalen Verfassung befindet sich denn Assani Lukimya? Hast du besonders mit ihm gesprochen? Was war da los?

Skripnik: „Ich habe über meine Karriere ihm erzählt. Ich habe auch welche Fehler gemacht. Ich hab auch gesagt, dass solche Fehler hab ich nicht in meine Karriere, ich kann mich nicht erinnern, aber so ist Fußball jeder macht seine Fehler, jeder macht seine…nur Reaktion von Spieler wie stark der ist und dann kommt der zurück – äähhhh – da schauen wir nur das Samstag, ich kann hier sagen das es kein Spekulation wird, er wird spielen, von Anfang an wird spielen. Das der Mann, der hat schon gut und sehr oft sehr gute Spiele gemacht….in diese Saison….und es kann nicht sein, dass es jeder Trainer nach dem ääähhhh ok entscheidische Fehler ähhmm jedes mal muss da wechseln und so weiter. Das ist auch wird, kein Vertrauen für für Spieler. Ich gib meine Vertrauen für Spieler und wird so, dass Lukimya wird morgen von Anfang an spielen und kein Diskussion!

In diesem Sinne liebe Printmedien – macht weiter so! Wir wissen, ihr habt es mit manchen „Experten“ nicht ganz leicht.

ACHTUNG: Dieser Text kann an manchen Stellen ernst gemeint sein! Bitte beachten sie nicht, dass diese Kolumne in keinster Weise Satire beinhaltet!

Mit freundlichen Grüßen, ihr chinesischer Redaktionspraktikant

Sa-Ti-Re


Schlagworte: Bild, Bremen, Kolumne, Kreiszeitung, Lügenpresse, Skripnik, Sport1, Viktor, Werder

Artikelinformationen


Datum: 22. September 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Klaas Tucholke
Korrektur: Katharina Freise


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Kurzlink: bit.ly/1DASnWi