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Kolumne

Mittendrin statt nur dabei

Die Leichtathletik Europameisterschaft 2018 in Berlin begeisterte Klein und Groß für diese Art des Sports. Eine EM im eigenen Lande ist immer etwas Besonderes. Wie die Atmosphäre im Berliner Olympiastadion trotz extremer Hitze war und was es mit den bekloppten Zuschauern auf sich hat: Eine Reportage.

Veröffentlicht am 25. September 2018 von

Ach ja, endlich ist es wieder soweit. Der sportbegeisterte Fan geht in Scharen zum Berliner Olympiastadion. Und das an einem Freitag im August. Hä? Das Lollapalooza – eins der größten Musikfestivals – ist doch erst im September. Noch besser: Und zwar finden die Leichtathletik Europameisterschaften statt. Endlich gibt es wieder kalte, überteuerte Bratwurst, über die sich die Gäste sicherlich freuen werden. Hier wird gute Laune vermittelt, egal, ob die Wurst nun fünf oder sechs Euro kostet. Es ist EM! Zwar nicht im Fußball, aber nach einer verkorksten WM, muss sich ja wenigstens einmal gefreut werden. Auch Europas Hitzewelle feiert. Zwar leiden fast alle darunter, aber immerhin besser als Regen. Kurz vor 19 Uhr geht es dann auch los. Knapp 50 Tausend Zuschauer haben sich eingefunden, um sich das Spektakel anzusehen.

Ach Sehen. Tagsüber konnte in der Innenstadt schon viel gesehen und gehört werden. Eine Gruppe aus zehn Italienern war so laut, wie eine deutsche Touristengruppen auf Mallorca. Aber um einmal das italienische „Alora“ zu hören, macht man alles mit.

Wie so üblich kommen viele der 50.000 erst auf den letzten Drücker. Auch die, die eigentlich schon viel früher hätten da sein müssen. Hunderte Fotografen strömen kurz vor knapp ins Stadion, um sich einen Platz zu sichern. Wie im Schützengraben machte es dann die restlichen drei Stunden, „Klack, klack, klack“ und noch mal „Klack“.

„Ihr seid doch völlig bekloppt“

Endlich geht es mit dem Hauptprogramm los und plötzlich sind alle hellwach. Wie viel Medaillen wird es denn nun heute geben? Los geht es mit den Vorläufen für die 110 Meter Hürden der Männer. Leider sieht der gewiefte Zuschauer eigentlich nichts. Außer Sonne. Naja die geht ja gleich rum. Bis kurz vor 21 Uhr knallt einem die Sonne ins Gesicht, das man denkt, gleich verwandelt sich die Haut in eine aufgepellte Tomate. Da kommt der Sportgeist in einem hervor. Alle – wirklich alle – Athleten werden angefeuert. Was ist denn hier los? Die tobenden Zuschauer brüllen, klatschen und machen alles, um laut zu sein. Jeder zweite Athlet, der danach interviewt wird, sagt: „Ihr seid doch völlig bekloppt“. Ja, das stimmt. Sportbekloppt.

EM – ein neuer Höhepunkt

Die sportlichen Entscheidungen kommen nicht zu kurz. Eine schüchterne, fast schon unbekannte Speerwerferin, namens Christin Hussong, desklassiert mit einem Wurf die gesamte Konkurrenz. Fast 70 Meter schraubt sie aus dem Arm, sechs Meter Vorsprung auf Platz zwei. Und was macht das Stadion. Das flippt völlig aus. Geht komplett aus dem „Sulki“. Gold! „Ich bin nicht mehr die Kleine, die nichts kann“, sagt Christin Hussong nach ihrem Triumph. Dass sie mit ihrer Statur keine Kleine ist, weiß also nun endgültig jeder. Endlich kann sich der Sportler über die Anerkennung der Leistung freuen. Das sonst eher trübe Leben eines Leichtathleten – kaum Zuschauer und kaum Geld – erreicht einen neuen Höhepunkt. Im nu gibt es Sponsorenverträge ohne Ende. Eine Chance, die genutzt werden muss. WM und Olympia alles weitere folgt. Kann man eigentlich schon über die Sportler des Jahres abstimmen, da die Fußballer raus sind?

Eine Sportveranstaltung für den Fan

Leichtathletik. Wer da noch an ein unüberschaubares Event denkt, muss sich nur einmal in so ein Stadion setzen und nach 20 Sekunden ist er anderer Meinung. Was für eine Atmosphäre, Stimmung und Lebensfreude auf einen einprasselt, ist unfassbar. Selbst wenn jemand überhaupt keinen Schimmer hat, die Regeln versteht auch er. Laufen – der Schnellste. Werfen und Springen – der Weiteste. Alles einfach. Also wird gejubelt, gejubelt und gejubelt. Der Fan ist in diesem Falle mittendrin statt nur dabei.

 

 

https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/alina-reh-bei-schweren-einheiten-denke-ich-an-die-em-in-berlin/

https://www.morgenpost.de/sport/Leichtathletik_EM/article215180943/Spektakel-in-intimer-Atmosphaere.html

https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/top-leistungen-und-60500-zuschauer-unterstreichen-stellenwert-der-leichtathletik/

https://www.bz-berlin.de/berlin-sport/speerwerferin-christin-hussong-holt-gold

Ein Artikel von Max Schrader (BA-SJ-10-H-VZ) Sportlehrredaktion I


Schlagworte: EM, Leichtathletik-EM, Stimmung

Artikelinformationen


Datum: 25. September 2018
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