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Partyborn erhebt sich aus der Sommerpause

Der erste Spieltag der zweiten Fußball Bundesliga stand an und der SC Paderborn traf auf den Karlsruher SC. Beim insgesamt 21. Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften waren für beide die Vorzeichen ungewiss. Wie schon in den Saisons davor mussten sich die Teams wieder fast komplett neu aufstellen. Trotzdem wurde der SCP von einigen Trainer der zweiten Liga als Geheimfavorit für den Aufstieg betitelt. Können sie dem beim Saisonauftakt schon gerecht werden?

Veröffentlicht am 20. Juli 2022 von

(Paderborn.) Bei knallender Sonne und Würstchengeruch ging es am Sonntag, den 17.07.2022 ins Stadion nach Paderborn. Der erste Spieltag nach der Sommerpause stand an und der Karlsruher SC war in der neubenannten Home Deluxe Arena zu Gast. Bereits vor dem Spiel war das Wetter Deutschland like. Zu heiß in der Sonne und deutlich kühler im Schatten. Vor dem Stadion versuchten die Fans sich unter die kaum bewachsenen Bäume zu stellen, um der Sonne zu entkommen, während im Stadion auf der Schattenseite teilweise eine Jacke angezogenen wurde. Sobald das oberflächliche Abtasten der Sicherheitsleute überstanden war und der Barcode unter dem Scanner verschwand, war das Stadionerlebnis bereit zur Entfaltung. Der Geruch von Bier und Würstchen wurde stärker und die Menschenschlangen wurden immer dichter und länger. Eingedeckt mit einem kühlen Getränk ging es zu den Plätzen. Ziemlich nah an der Südkurve sitzend, wo die Fans bereits zahlreich standen, wurde ein Hauch von Euphorie wahrgenommen. Eine Euphorie die meistens beim ersten Saisonspiel den Fans anzusehen ist. In den vergangenen Jahren schwand diese genauso schnell, wie sie gekommen ist. Der SCP konnte in den abgelaufenen zehn Saisons nicht ein Auftaktspiel gewinnen.

Die Vorfreude war groß und das war auch an den Gesichtern der Fans zu erkennen. Noch 40 Minuten bis zum Anpfiff und die Musikboxen wurden an ihre Grenzen gebracht. Ein Zeichen dafür ,dass die Torhüter gleich reinlaufen. Der 80er Jahre Song übertönte alles weshalb die lauten „Huth, Huth, Huth“ Rufe der Fans kaum gehört wurden. Die Minuten bis zum Spielbeginn flogen nur so davon. Nach einem zweiten Mal Musik-Extase befanden sich alle Spieler auf dem Feld. Das Stadion wurde langsam voller und die schlussendlich 9399 Zuschauer waren gespannt auf das Auftreten ihrer Schützlinge. Die Spieler verschwanden wieder in ihren Katakomben und die Vorfreude war zum Greifen nah. Die Hymne erklang und die Schals wurden von den Schultern in die Luft gestreckt. Leider wurde die Zeit zu knapp und noch vor dem ersten Refrain brach die Hymne ab, da die Kapitäne schon fast bei der Platzwahl standen. Eine gewisse Hektik machte sich breit und die Fans auf der Südtribüne holten schnell die quadratischen Plastikfetzten in Grün und Blau heraus. Eine Choreo für 65 Jahre Herman-Löhns-Stadion.

Die Münze des Schiedsrichters fiel zwischen die Grashalme und die Seitenwahl war entschieden. Die Mannschaften stellten sich auf und nach dem engelsgleichen Pfiff rollte der Ball. Die Bilanz zwischen den beiden Mannschaften war vorher knapper als es das Endergebnis aussagte. Mit zehn Siegen für Paderborn und sieben für Karlsruhe standen die Vorzeichen eher auf ein enges Spiel. In den ersten Minuten merkte man, dass alle daran Freude haben, dass die Saison wieder losgeht. Mit Blicken nach links und rechts wurde stets ein Lächeln im Gesicht erblickt. Auch auf dem Feld war schnell klar hier geht es um die ersten Punkte. Bereits nach vier Minuten scheiterte der KSC-Stürmer am Paderborn Schlussmann. Die Huth-Anfeuerungen begangen wieder und schon fühlte man sie wieder heimisch.

Wegen der andauernden Hitze entschied der Schiedsrichter nach ungefähr der Hälfte der ersten Halbzeit eine Trinkpause zu machen. Die Spieler liefen zu ihren Trinkflaschen und bei der Paderborner Bank wurde schnell klar, dass der Trainer unzufrieden war. Mit einem wütenden Blick und gestikulierenden Händen versuchte er auf die Spieler einzuwirken. Nach dem Spiel auf der Pressekonferenz erklärte er sein Vorhaben wie folgt: „Ich musste den Spielern klar machen, dass das hier nicht der wilde Westen ist.“ Diese Ansprache zeigte auch seine Wirkung, aber trotz deutlichem Ballbesitz wurde es nicht gefährlich vor dem Tor des KSCs. Der Halbzeitpfiff ertönte und mit lautstarker Begleitung der Fans verließen die Spieler den Rasen.

Die Getränke waren leer und wie es sich gehört, stürmten die Fans auf die Stände zu. Die Sitze wurden wieder etwas leerer und die Lautstärke verringerte sich. Die Auswechselspieler passten sich den Ball ein wenig zu und die Personen für die Rasenpflege sorgten wieder für bessere Verhältnisse. Die 15 Minten waren rum und die Paderborn-Spieler kamen als erstes wieder auf den Platz gelaufen. Während die KSC-Spieler noch auf sich warten ließen, merkte man dem Sportclub eine gewisse Fokussierung an. Die Halbzeitansprache von Kwasniok, Trainer von Paderborn, zeigte wohl seine Wirkung. Paderborn-Stümer Felix Platte wurde vom gegnerischen Torwart gefoult und es gab Elfmeter. Die Anspannung stieg und in den Gesichtern der Fans sah man neben Vorfreude auch eine gewisse Nervosität. Der Ball wurde passgenau auf den Elfmeterpunkt gelegt und der Schütze nahm drei vier Schritte Anlauf. Die Handys wurden gezückt und die Fans machten sich bereit zum Jubeln. Unten links vom Schützen aus verwandelte Musljia den Ball. Die Ektase machte sich breit und der Juble war grenzenlos. Danach gelang es den Paderbornern innerhalb von 20 Minuten noch vier weitere Tore zu erzielen. Mit fünf zu null Toren besiegte der SCP gegen KSC und ist damit Tabellenführer der zweiten Liga. Karlsruhe Trainer Eichner reagierte nach dem Spiel wie folgt: „Die Niederlage ist in Ordnung, sie darf in dieser Höhe aber nicht passieren.“. Die Paderborner spielten sich in einen Rausch, während der KSC vogelwild durch den eigenen Strafraum lief.

Die Fans konnten es nach Abpfiff nicht richtig begreifen. Sowas haben wir lange nicht gesehen. Nicht nur das Lied, sondern auch die Gesichtsausdrücke der Fans spiegelten dies wider. Die Südkurve feierte mit der Mannschaft, die durchaus erleichtert rüberkam. Zufrieden und mit einem Lächeln auf den Lippen verließen die Fans das Stadion Richtung Parkplatz.  Einen nächsten Besuch im Stadion steht nach diesem Spiel wohl nichts mehr im Weg.

Eine Reportage von Max Friedrich (BA-SJ-18-H-VZ)

Modul: Journalistische Darstellungsformen


Schlagworte: Auftakt, Ball, Bundesliga, erster Spieltag, Fußball, Karlsruhe, Paderborn, Stadion, Zweite Bundesliga

Artikelinformationen


Datum: 20. Juli 2022
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