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Eishockey

Pat Cortina bangt um seinen Job

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(Hannover.) Der Bundestrainer Pat Cortina steht aktuell, wie nie zuvor, unter Druck. Die Leistung der deutschen Auswahl ist bei der Eishockeyweltmeisterschaft in Prag erschreckend. Nach drei absolvierten Spielen stellt sich die Frage, ob er der richtige Mann für den Job ist und ob sich die deutschen Eishockeyfans mit Abstiegsgedanken anfreunden sollen. Bei der 79 Eishockey

Veröffentlicht am 08. Mai 2015 von

(Hannover.) Der Bundestrainer Pat Cortina steht aktuell, wie nie zuvor, unter Druck. Die Leistung der deutschen Auswahl ist bei der Eishockeyweltmeisterschaft in Prag erschreckend. Nach drei absolvierten Spielen stellt sich die Frage, ob er der richtige Mann für den Job ist und ob sich die deutschen Eishockeyfans mit Abstiegsgedanken anfreunden sollen.

Bei der 79 Eishockey WM – Auflage, die aktuell in Tschechien ausgetragen wird, sorgt der Auswahl um Pat Cortina für mehr Fragen als Antworten. Nach drei absolvierten Spielen steht eine katastrophale Ausbeute zur Grunde: 1 Sieg und 2 Niederlagen mit Tordifferenz von 2:12! In einem hart umkämpften Auftaktspiel gegen das Frankreich brachte Patrick Reimer die deutsche Mannschaft mit seinem Powerplaytor eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit auf die Siegerstraße. Nachdem 2:1 Erfolg gegen die L’Équipe tricolore folgte dann die Ernüchterung im zweiten Spiel.  Der 24 Weltmeister aus dem Kanada fegte das DEB-Team mit 10:0 von dem Eis und brachte die Fans und den Cheftrainer Pat Cortina zum Nachdenken. Normalerweise überzeugt Deutschland gegen die großen Eishockey-Nationen mit Kampf und Leidenschaft. Doch dieses Mal ist davon nichts übrig geblieben. Im Spiel drei gegen die direkten Turnierkonkurrenten aus der Schweiz konnte die Mannschaft auch nicht wirklich überzeugen. Die Mannschaft fokussierte sich nur auf die Defensive Arbeit, vergaß dabei offensive Akzente zu setzen. Am Ende siegte der Auswahl um Glen Hanlon verdient mit 1:0.

Nach drei absolvierten Spielen ist Deutschland mit drei Punkten Gruppenfünfte. Das Restprogramm verspricht auch nichts Gutes. In zwei von den vier verbleibenden Spielen geht es gegen den neunmaligen Weltmeister Schweden und Gastgeberland Tschechien. Mit bisherigen Leistung kann jeder Punktgewinn beinahe dem Wunder verglichen werden.

Muss Deutschland jetzt sogar um den Abstieg fürchten? Ja, denn Frankreich ist jetzt punktgleich, Lettland und Österreich haben nur 1 Zähler weniger. Lettland siegte in der Verlängerung gegen die Schweiz mit 2:1 und kann mit positivem Gefühl gegen die Deutschland auftreten.  Österreich seinerseits gewann völlig überraschend sein Auftaktspiel gegen die Nachbarn aus der Schweiz mit 4:3 nach Penaltyschießen. Anschließend folgten dann aber zwei Niederlagen gegen die Schweden (1:6) und gegen das Frankreich mit 0:2. Deshalb wird die deutsche Mannschaft aller Voraussichten nach zwei Endspiele haben. In den direkten Duellen gegen Lettland, am 08 Mai bzw. gegen die Österreich am 11 Mai müssen zwei Siege her, um den Verbleib in Weltelite aus der eigener Kraft zu sichern.

Cortina als Trainer

Das Sportgeschäft ist hart. Wenn die Sportergebnisse nicht stimmen, steht der Trainer sofort in der Vordergrund  der Öffentlichkeit und muss sich die Kritik gefallen lassen. Deshalb kommt die Kritik um den 50 jährigen Italo-kanadier Pat Cortina und seine Arbeit nicht überraschend. Doch ist sie berechtigt? Was zeichnet Pat Cortina als Trainer aus? Ist er der Richtige für das deutsche Eishockey? Das sind die Fragen womit sich deutsche Eishockeyfans beschäftigen.

Pat Cortina wurde im Jahr 1964 im einem Eishockeystadt schlechthin geboren: in Montreal. Deshalb kommt es gar nicht überraschend, als der vierjährige kleine Pat die Schlittschuhe als Weihnachtsgeschenk von seinem Onkel bekommt. Doch der Traum von einer Profikarriere musste er bereits mit 18 Jahren aufgeben. Die Schulter und Fußverletzungen im Alter von 16 Jahren haben dazu beigetragen, dass er nicht mehr auf dem höchsten Niveau spielen konnte. Mit 23 Jahren wird er das erste Mal Trainer einer Eishockey Mannschaft in Italien. Von dem Zeitpunkt nimmt sein Trainerbahn einen Lauf auf. Mit Alba Volan Szekesfehervar gewinnt er zwischen 2003 – 2006 drei Mal die ungarische Meisterschaft. 2008 kehrte die ungarische Eishockeymannschaft unter seinem Kommando nach 70 Jahren in die Gruppe A.  Als Vereinstrainer weist er auch über einige große Erfolge auf: im Season 2008/2009 wurde er mit den deutschen Zweitligist EHC München Vizemeister, ein Jahr darauf folgte dann die Krönung – die Double. Durch den Gewinn von DEB-Pokal und die Meisterschaft in der zweiten Bundesliga war den sportlichen Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga perfekt. Aufgrund der genannten Erfolge hat es nicht lange gedauert bis Herr Cortina sich den neuen Herausforderungen stellte. 2012 löste er Uwe Krupp als Bundestrainer der deutschen Eishockeys Nationalmannschaft auf. Bei seinem WM-Debüt im gleichen Jahr belegte Deutschland den zwölften Platz. 2013 folgte dann die Ernüchterung. Mit neunten Platz verpasste die deutsche Eishockey Nationalmannschaft erstmal in der Geschichte die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Ein Jahr später, bei der WM im weißrussischen Hauptstadt Minsk schaffte DEB-Auswahl gerade Mal so den Klassenerhalt – es springte nur den 14, letzten Platz heraus. Damit war die Krise im deutschen Eishockey perfekt.

Vor dem Start der WM in Tschechien stand Pat Cortina unter enormen Druck. Sein auslaufender Vertrag wird angesichts der letzten beiden Jahre wahrscheinlich nicht weiter verlängert. Es könnte seine letzte WM als Bundestrainer sein. Dass ihm, dem Mensch mit stoischen Ruhe es bewusst ist, konnte man aus seinem Interview gegenüber der Sport1, im Vorfeld des Turniers, deutlich erkennen.  „Ich bin froh, die WM bestreiten zu können. Ich gehe mit großem Enthusiasmus in die Aufgabe.“

Aufgrund den zahlreichen Absagen, insgesamt 20, weißt er auch die Qualität und die Treue den zugesagten Spieler zu schätzen. „Was soll ich mich mit Spielern beschäftigen, die nicht da sind“, sagt er. „Das ist kein Thema.“ Das Wohl des deutschen Eishockeys steht für ihn im Vordergrund, was aus seine andere Aussage deutlich zu entnehmen ist – „hier geht es nicht um Pat Cortina“.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Situation, kann man sich die Meinung der ehemalige Nationalspieler Lorenz Funk Senior komplett anschließen. „Da ist aber nicht der Bundestrainer schuld, der ist eine arme Sau“, sagte der 68-jährige der Berliner Zeitung. „Man könnte auch den Tichonow oder den Bobrow (ehemalige sowjetische Erfolgstrainern) noch mal ausgraben und trainieren lassen, es würde keinen Deut besser werden.“

Doch was heißt es genau für Eishockey in Deutschland? Die Eishockey Struktur in Deutschland braucht so schnell wie möglich grundlegende  Veränderungen. Eishockey in Deutschland hatte nie einfach. Dennoch es war und bleibt einer der beliebtesten Sportarten. Der Deutsche Eishockey Bund soll es endlich bewusst werden, wie ernst die Lage ist. Der Abstieg der U20-, der U18- und die Frauen Eishockeynationalmannschaften sprechen eindeutige Sprache, dass das Eishockey in Deutschland Fieber hat. Falls Deutschland den Klassenerhalt dieses Jahr schaffen sollte und unabhängig davon ob Pat Cortina weiter der Bundestrainer bleibt oder der Andere kommt, es ist nur der Frage der Zeit bis der Abstieg nicht mehr zu vermeiden ist. Deshalb muss bereits heute ein Konzept für die verstärkte Jugendförderung nicht nur entwickelt werden, sondern auch entsprechend umgesetzt.

„Wenn man die Pflanze Eishockey aber nicht gießt, dann kommt eben oben nichts an“, sagte der frühere Sportdirektor der Eisbären Berlin der Bronzemedaillengewinner 1976 Lorenz Funk.

Die Dichte im Eishockey Weltspitze nimmt Jahr für Jahr weiter zu. Die großen Nationen wie Kanada, Russland usw. können nicht mehr mit halber Kraftaufwand die lockeren Siege gegen die „kleine“ Nationen wie Norwegen oder Frankreich feiern. Wenn die Junioren Mannschaften immer nur gegen den Abstieg kämpfen müssen, dann ist es kein Wunder, dass wenige Jahre später das gleiche Schicksal auch die A-Nationalmannschaft treffen kann.

Die DEL gehörte noch nie zu dem stärksten Eishockey Ligen Europas. Nicht zuletzt auch durch seinen Spielmodus. Aus aktuellen 14 Mannschaften kann sogar der zehnte platzierte Deutsche Meister werden! Empfehlenswert ist es wie in anderen Ligen, Anzahl der Playoff Aspiranten auf acht zu begrenzen und die Gesamtanzahl der Teams zu steigern. Einerseits wird es im Laufe der Zeit zu Qualitätssteigerung der einzelnen Spieler führen, andererseits – die Spiele werden spannender und intensiver. Das wird automatisch zu der größeren Medienpräsenz und zu Steigerung der Eishockeytreibenden führen.

Anderes Problem ist die Ungleichheit der Eishockeyförderung in den einzelnen Bundesländern. Die meisten Eishockeyvereine kommen aus Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Northeim-Westphalen. Die neuen Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt haben nicht nur keine einzige Mannschaft in DEL, sondern auch mangelnde Anzahl von Eishallen. Das ist schon erschreckend. Der Niedersachsen Hauptstadt Hannover hat auch keine Profimannschaft mehr – sechs verschiedene Mannschaften kämpfen in den Oberliga gegeneinander.

Es bleibt somit nur abzuwarten welchen Platz die deutsche Eishockey Nationalmannschaft bei der WM in Tschechien belegt, ob Pat Cortina weiterhin Bundestrainer bleiben wird oder nicht. Eins steht aber jetzt bereits fest: das deutsche Eishockey ist an dem Punkt angelangt, wo die notwendige Veränderungen  umgesetzt werden müssen.


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Datum: 08. Mai 2015
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