Fußball
Hannover 96: Leere statt Lehre
Jährlich grüßt das Murmeltier, wieder einmal verspielt Hannover 96 den Aufstieg in die Erstklassigkeit. Die Niedersachsen beenden die Saison auf dem vierten Tabellenplatz und so ist endgültig Zeit, sich aus Sicht der Fans die Hoffnungen auf den Aufstieg aus den Köpfen zu streichen. Zwar war der Aufstieg bis zum letzten Spieltag noch möglich, jedoch wurde dadurch nicht mehr als unnötige Spannung erzeugt.
(Hannover.) „Ich bin total leer“, so 96 Kapitän Enzo Leopold nach dem Spiel gegen Nürnberg zu seiner aktuellen Gefühlslage. Vielleicht beschreibt die Leere nicht nur die aktuelle Gefühlslage rund um den Verein, sondern auch das Saisonfazit ziemlich treffend. Trotz Aufstiegsträumen am Ende nicht mal die Chance, gegen Wolfsburg in der Relegation anzutreten. Stattdessen wieder nur ein ungewürzter vierter Platz, von dem man sich am Ende rein gar nichts kaufen kann. Da wäre es vielleicht doch besser gewesen, als absolutes Mittelmaß am Ende in der Tabelle zu stehen, wie in den vorherigen Spielzeiten. Wie lautet das Sprichwort? „Wer nicht hören will muss fühlen.“ Und so fällt Hannovers Unfähigkeit, Führungen zu halten und defensiv sicher zu stehen ihnen, im Endeffekt auf die Füße. Offensiv ist man zwar gut genug, Tore zu schießen, aber hinten fängt man zu viele Gegentore. Ein Pferd mit nur Vorderbeinen kann nun mal auch nicht bei einem Pferderennen gewinnen. Naja, wenigstens hat Hannover es mal geschafft nicht den Trainer zur Winterpause rauszuwerfen, obwohl es tabellarisch gut aussieht. Außerdem ist es zuhause, also in der Zweitklassigkeit, immer am schönsten. Das dachte sich scheinbar auch die Mannschaft, die in den letzten drei Spielen der Saison nur dreimal unentschieden gespielt hat, während die direkte Konkurrenz ebenfalls Mal für Mal gepatzt hat.
Völlig unentschlossenes Aufstiegsrennen
Die Aufstiegsplätze wurden im Saisonendspurt wie eine heiße Kartoffel, beim gleichnamigen Spiel hin und her gereicht und niemand wollte so wirklich aufsteigen. Hannover selbst hat dabei immer mehr den Eindruck gemacht, Angst zu haben. Angst davor etwas falsch zu machen und so hat die Mannschaft zum Ende der Saison teilweise völlig verkrampft gespielt. Wie wenn man zum ersten Mal im Elternhaus seines neuen Partners eingeladen ist und bloß nicht negativ auffallen will. Auch wieder ein weiteres Phänomen, was bei 96 regelmäßig vorkommt. Sobald es wirklich um etwas geht hat die Mannschaft die Hosen voll und vergisst phasenweise selbst aktiv zu werden und verliert den Kopf. Bezeichnend dafür ist die Entscheidung von Trainer Christian Titz, im letzten und wichtigsten Spiel über die gesamten 90 Minuten den einzigen verfügbaren Stürmer und gleichzeitig besten Torschützen auf der Bank verrotten zu lassen. Wenigstens war dieser nach dem Spiel am 34. Spieltag selbst noch in der Lage die teilweise Passivität seiner eigenen Mannschaft zu erkennen.
Neuanfang und rosige Aussichten für die Zukunft
Da stellt sich berechtigterweise die Frage, ob der Verein überhaupt bereit ist für den Wiederaufstieg in die erste Liga. Um dieses Ziel für die nächste Saison wieder anzugreifen, müssen zwangsweise erstmal die Löcher von den Abgängen im Kader gefüllt werden. Fraglich bleibt nur wie der Verein das ohne designierten Geschäftsführer Sport zu bewerkstelligen ist. Das letzte Abenteuer auf dieser Position hat mit Jörg Schmadtke zumindest mal ganze 81 Tage gehalten. Vielleicht ist es generell mal wieder an der Zeit einen neuen Fünf-Jahres-Plan zu entwerfen, weil der letzte bereits ja so grandios funktioniert hat. Sicherlich können es die Fans auch kaum erwarten, mit ihrer Mannschaft für die nächsten fünf Jahre wieder durch das gesamte Land zu reisen um gegen Giganten wie VfL Osnabrück oder den 1. FC Heidenheim anzutreten. Und was passiert dann nächstes Jahr in der verpassten Bundesliga? Der 1. FC Schalke 04 sicherte sich bereits am 32. Spieltag den Aufstieg und blieb bis zum Ende eiskalt. Mit der Selbstüberzeugung eines gewissen, sich bereits im Ruhestand befindenden, schwedischen Stürmers steigen die Königsblauen in die Bundesliga auf. Während die SV Elversberg ähnlich wackelig, wie das Gerüst ihres renovierten Stadions sich irgendwie auf Platz zwei gewankt hat. Der SC Paderborn nimmt es 96 ab, von Wolfsburg in der Relegation abgefrühstückt zu werden. Mit einem Marktwert von 180 Millionen Euro mehr geht das Lieblingskind des VW-Konzerns als klarer Favorit in dieses Duell. Manch einer würde die Dysbalance zwischen beiden Kontrahenten anprangern, würde jedoch aber auf taube Ohren stoßen. Es ist nun Mal allseits bekannt, dass die DFL sich nicht um das untere Volk in ihrem Fußballverband schert. Für Hannover heißt es also in der nächsten Saison wieder als von vielen hochgesagter Aufstiegskandidat in die Spielzeit zu starten, nur um am Ende wieder Fans und Zuschauer zu enttäuschen und es wieder nicht zu schaffen.
Eine Glosse von Johannes Scholz (Modul: Journalistische Darstellungsformen Kurs: BA-SJ-32-H-VZ-KS)
Schlagworte: 1. Bundesliga, 1.FC Heidenheim, 1.FC Nürnberg, Christian Titz, Enzo Leopold, FC Schalke 04, Hannover 96, Jörg Schmadtke, SC Paderborn, SV Elversberg, VFL Osnabrück, VfL Wolfsburg





