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Martin Kind reaktiviert seinen 50+1-Ausnahmeantrag

Schon seit einigen Jahren versucht 96-Klubchef Martin Kind die 50+1-Regelung bei Hannover 96 zu kippen. Seinen Antrag auf eine Ausnahmeregelung stellte er im Februar 2018 auf ruhend. Nun reaktiviert Kind ihn wieder und erwartet im Juli eine Entscheidung.

Veröffentlicht am 20. Juni 2018 von

96-Präsident Martin Kind will die 50+1-Regel kippen – und das nicht erst seit diesem Jahr. Bereits am 30. August 2017 reichte Kind einen entsprechenden Antrag bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) ein. Schon zuvor sprach sich der Chef des Bundesligisten Hannover 96 gegen die Regel in Deutschlands höchster Spielklasse aus. Damals ging Martin Kind davon aus, dass eine Entscheidung bis Ende des Jahres 2017 fallen würde. Er ahnte noch nicht, dass der Weg so schwierig für ihn wird.

Die 50+1-Regelung soll verhindern, dass Investoren die Mehrheit an den Vereinen halten. Eine Ausnahmeregelung, so wie sie der 96-Klubchef beantragt hat, kann nur geltend gemacht werden, wenn eine Person oder ein Unternehmen „seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Vereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“, heißt es in den DFL-Bestimmungen.

Ultras reagieren mit Stimmungsboykott

Martin Kind trifft mit seinem Vorhaben auf sehr viel Kritik. Teile der aktiven Fanszene protestieren ab sofort schweigend gegen den Antrag. Bei Spielen von Hannover 96 blieb ein Großteil der Unterstützung von den Tribünen aus. Besonders in der 96-Ultraszene traf Kind auf starken Gegenwind. Mit „Kind muss weg“-Rufen und eindeutigen Bannern richteten die protestierenden Fans ihre Wut an den 96-Präsident. In der Folge wurde der Stimmungsboykott wieder aktiviert. Schon einmal schwiegen Teile der Fans und besuchten lieber die zweite Mannschaft von Hannover 96 aufgrund von Martin Kinds Plänen.

Die Entscheidung verschob sich bis in den Februar hinein. Anfang des Monats wollte die DFL eine endgültige Entscheidung über den Fall Martin Kind treffen. Doch der 96-Chef kam der DFL zuvor. Kind stellte seinen Antrag auf ruhend, um seiner Aussage nach eine „ergebnisoffene Grundsatzdebatte“ über die 50+1-Regelung anzustoßen. Danach kursierten Gerüchte, dass die DFL den Ausnahmeantrag abgelehnt hätte und Kind so dieser Ablehnung entgangen ist. Tatsächlich, abgelehnt wurde der Antrag nicht. „Vor diesem Hintergrund ist bis auf Weiteres keine Entscheidung des DFL-Präsidiums in dieser Angelegenheit erforderlich“, entgegnete die DFL dem ruhenden Antrag.

Kind soll nicht genügend investiert haben

Berichten der BILD-Zeitung zufolge, habe Martin Kind in seiner Zeit bei Hannover 96 nicht genügend Geld investiert, um ein für ihn positives Ergebnis für seinen Antrag zu erzielen. Hannover 96 reagierte unwissend auf die veröffentlichten Zahlen der BILD-Zeitung. „Weder die Unterlagen noch die Zahlen sind uns bekannt, sodass wir dazu nicht detailliert Stellung nehmen können und werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Nach einer dreimonatigen Ruhepause hat 96-Präsident Martin Kind seinen im Februar ruhenden Antrag zur 50+1-Regelung wieder reaktiviert. Nach einer mündlichen Äußerung reichte Kind Mitte Mai wieder einen schriftlichen Antrag bei der DFL ein, weil bei der Mitgliederversammlung im März die Mehrheit der 36 Proficlubs überraschend für einen Fortbestand der Regelung stimmte. Diese Abstimmung nahm der 74-Jährige als Anlass um erneut bei der Deutschen Fußball Liga vorstellig zu werden.

Sein Argument ist dabei, dass er die Niedersachsen seit mehr als 20 Jahren „ununterbrochen“ und „erheblich“ finanziell unterstützt habe. Aus dem gleichen Grund durfte bereits Mäzen Dietmar Hopp die Mehrheit bei der TSG 1899 Hoffenheim übernehmen. Hannovers Präsident möchte nun von der DFL genauso behandelt werden. Gegner von Kinds Übernahmeplänen sind nicht nur die Anhänger von Hannover, sondern auch „IG Pro Verein1896“. Sie wollen belegen, dass Kind die Niedersachsen nicht 20 Jahre lang, ununterbrochen am Stück, finanziell unterstützt haben soll.

Kind will lediglich eine Ausnahmeregelung

Eines sollte allerdings klar werden: Kind möchte keine komplette Abschaffung der 50+1-Regel, sondern lediglich eine Ausnahmeregelung erhalten. Solche Ausnahmeregelungen existieren bereits für Bayer 04 Leverkusen, die TSG 1899 Hoffenheim und den VfL Wolfsburg. Bei RB Leipzig wurde die 50+1-Regel durch eine Hintertür umgangen. Die DFL kündigte bereits an, eine Entscheidung „zu gegebener Zeit“ treffen zu wollen. Der Druck liegt dabei auf Seiten von Liga-Präsident Reinhard Rauball und Co. Sollte der Antrag abgelehnt werden hat Kind in einem BILD Interview sein weiteres Vorgehen bereits verlauten lassen.“Klar ist: Wird er wirklich abgelehnt, werde ich klagen. Durch alle Instanzen.“

Sollte dann ein ordentliches Gericht über den Antrag entscheiden müssen, rechnen Experten mit einer kompletten Auflösung der 50+1-Regel in Deutschland, da diese, unter Umständen, gegen das europäische Wettbewerbsrecht verstößt. Eine Entscheidung, die Folgen für die komplette Liga und nicht nur für Hannover 96 hätte.

Martin Kind reaktiviert seinen Antrag auf eine Ausnahmeregelung der 50+1-Regel bei Hannover 96. Was sagen die Fans zur geplanten Übernahme?

Ein Bericht von:
Christian Rüdiger (BA-SJ-08-H-VZ)
Nico Schwieger (BA-SJ-08-H-VZ)

Quellen:

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.kippt-50-1-regel-martin-kind-stellt-bei-dfl-antrag-auf-mehrheitsuebernahme-von-96.4c4267f5-c104-4e9b-8531-7a057201bd02.html

http://www.sportbuzzer.de/artikel/dfl-hatte-martin-kind-auf-50-1-ausnahme-hannover-96-antrag-abgelehnt/

https://www.tagesspiegel.de/sport/501-regel-maerchenstunde-bei-hannover-96/21092688.html

http://www.spiegel.de/sport/fussball/hannover-96-und-die-50-1-regel-martin-kind-laesst-ausnahmeantrag-ruhen-a-1191483.html

http://www.fr.de/sport/fussball-bundesliga/erstebundesliga/50-1-regel-martin-kind-fordert-dfl-neuordnung-a-1515393

https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2018/05/50-1-martin-kind-reaktiviert-uebernahmeplaene-bei-hannover-96

https://rp-online.de/sport/fussball/hannover-96/50-1-regel-martin-kind-reaktiviert-uebernahmeplaene-bei-hannover-96_aid-22791373

http://www.fr.de/sport/fussball-bundesliga/dfl-hannover-aktiviert-50-1-antrag-a-1510424


Schlagworte: 1. Bundesliga, 50+1-Regel, DFL, Fußball, Hannover 96, Martin Kind

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Datum: 20. Juni 2018
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